Moskau gerät mit seinen Aktivitäten im Ausland weiterhin weit über das Schlachtfeld hinaus in den Fokus.
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Westliche Regierungen werfen dem Kreml seit Längerem vor, seinen Einfluss in Afrika durch verdeckte Operationen, Einflusskampagnen und sicherheitspolitische Partnerschaften auszuweiten.
Nun deuten neu veröffentlichte Dokumente darauf hin, dass russische Geheimdienste möglicherweise noch weiter gegangen sind und angeblich Pläne geprüft haben, eine militärische Machtübernahme im Senegal zu unterstützen.
Wagner rekrutierte
Laut Unterlagen, die von der Recherchegruppe All Eyes on Wagner veröffentlicht wurden, sollen russische Akteure versucht haben, während einer Phase politischer Unruhen Mitglieder der senegalesischen Streitkräfte anzuwerben.
„Im Senegal, einem Land, das von Demonstrationen erschüttert wurde, plante die Organisation ‚African Political Science‘ ein Szenario der Zusammenarbeit mit dem senegalesischen Militär, um ein Szenario zur Machtübernahme zu entwickeln“, schrieb die Gruppe.
United 24 Media berichtete, der mutmaßliche Plan sei Teil einer umfassenderen Strategie gewesen, den russischen Einfluss auf dem Kontinent durch politische Manipulation und Informationskampagnen auszuweiten.
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Verschiebung im Wagner-Netzwerk
All Eyes on Wagner behauptet, dass nach dem Tod von Jewgeni Prigoschin Strukturen, die zuvor mit der Wagner-Gruppe verbunden waren, unter die Aufsicht des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR gestellt wurden.
Die Gruppe gibt an, 76 Dokumente aus den Jahren 2023 bis 2024 analysiert zu haben, die auf eine staatlich gesteuerte Neuordnung von Finanzierungs- und Einflussprojekten hindeuten.
In den Dokumenten werden Sergej Maschkewitsch, Sergej Kliukin und Artem Gornyj als zentrale Koordinatoren genannt.
Maschkewitsch wird als mit der russischen Präsidialverwaltung verbunden beschrieben und soll Aktivitäten unter anderem im Sudan und in Bolivien beaufsichtigt haben.
Medien und Lobbyarbeit
United 24 Media berichtete, dass eine Organisation namens „African Political Science“ eine zentrale Rolle in der mutmaßlichen Kampagne gespielt habe und über ein monatliches Budget von rund 750.000 US-Dollar verfügt habe.
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Die Gruppe soll Lobbyarbeit betrieben und Medieninhalte produziert haben, um die öffentliche Debatte zu beeinflussen.
Im August 2024 habe sie demnach etwa 340.000 US-Dollar für mehr als 500 Artikel und Videos ausgegeben, die über Mittelsmänner verbreitet wurden, um die Finanzierungsquellen zu verschleiern.
Breitere Aktivitäten
Die Dokumente beschreiben zudem mutmaßliche Operationen in Mali, wo russische Geheimdienste Informationen über französische und US-amerikanische Militärpläne gesammelt und gleichzeitig die Allianz der Sahelstaaten unterstützt haben sollen.
In der Zentralafrikanischen Republik sollen die Unterlagen Versuche darlegen, UN-Missionen zu beeinflussen und russische Wirtschaftsinteressen zu schützen.
Weitere angebliche Aktivitäten betreffen Niger, wo französische Uraninteressen ins Visier genommen worden sein sollen, sowie Mosambik, wo Informationen über westlich verbundene Energieunternehmen gesammelt worden sein sollen.
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Die Vorwürfe konnten nicht unabhängig überprüft werden. Russland hat sich bislang nicht öffentlich zu den Anschuldigungen geäußert.
Quellen: All Eyes on Wagner, United 24 Media, WP