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Wie ein winziger hinweis an einer schlafzimmerwand eine zwölfjährige rettete

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Warnung: Dieser Artikel enthält verstörende Inhalte. Seit Jahren arbeitet der US-Ermittler Greg Squire in einem der erschütterndsten Bereiche der Strafverfolgung: der Identifizierung von Kindern, die in Online-Missbrauchsdarstellungen gezeigt werden.

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Laut einer Berichterstattung der BBC brachte ihn die emotionale Belastung dieser Arbeit beinahe an seine Grenzen, bevor ein Fall um ein Mädchen namens „Lucy“ zu einem Wendepunkt wurde.

Die Belastung des Berufs

Squire, der für Homeland Security Investigations arbeitet, verbrachte Jahre damit, Täter aufzuspüren, die im Darknet agierten. Das Material, das er täglich sichtete, hatte tiefgreifende psychologische Auswirkungen.

Er sagte der BBC, Alkohol sei „zu einem größeren Teil meines Lebens geworden, als er hätte sein sollen“, und schließlich zerbrach seine Ehe. Zeitweise habe er Suizidgedanken gehabt, bevor er professionelle Hilfe in Anspruch nahm.

„Es ist schwer, wenn das, was dir so viel Energie und Antrieb gibt, zugleich das ist, was dich langsam zerstört“, sagte sein Kollege Pete Manning.

Trotz der Belastung arbeitete Squire weiter an Fällen – darunter auch Lucys.

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Ein festgefahrener Fall

Lucy war 12 Jahre alt, als die Ermittler begannen, ihre Identität festzustellen. Bilder ihres Missbrauchs kursierten in verschlüsselten Netzwerken und waren sorgfältig bearbeitet worden, um offensichtliche Hinweise zu entfernen.

Anhand sichtbarer Steckdosen im Hintergrund kamen die Ermittler zu dem Schluss, dass sie sich wahrscheinlich in Nordamerika befand. Darüber hinaus gab es kaum Anhaltspunkte.

Das Team bat Facebook um Unterstützung bei der Durchsuchung hochgeladener Familienfotos mithilfe von Gesichtserkennung. Das Unternehmen lehnte ab und erklärte gegenüber der BBC: „Zum Schutz der Privatsphäre der Nutzer ist es wichtig, dass wir die entsprechenden rechtlichen Verfahren einhalten, aber wir bemühen uns, die Strafverfolgungsbehörden so gut wie möglich zu unterstützen.“

Spurensuche im Detail

Mangels technischer Möglichkeiten analysierten die Ermittler jeden in den Bildern sichtbaren Gegenstand.

Ein im Raum erkennbares Sofa konnte einem regionalen Händler zugeordnet werden, wodurch sich der Kreis möglicher Käufer auf Zehntausende in mehreren Bundesstaaten eingrenzen ließ.

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Der entscheidende Durchbruch kam durch eine freiliegende Ziegelwand in Lucys Schlafzimmer. Squire kontaktierte die Brick Industry Association, die das Bild an Fachleute weiterleitete.

Der Ziegelhändler John Harp identifizierte die Steine als „Flaming Alamo“, ein Modell, das Jahrzehnte zuvor im Südwesten der USA hergestellt worden war. Da Ziegel schwer sind und selten über weite Strecken transportiert werden, konnten sich die Ermittler auf Häuser im Umkreis von etwa 100 Meilen um die Fabrik konzentrieren.

Eingrenzung der Suche

Die Kombination dieser Informationen mit der Kundenliste des Möbelhändlers reduzierte die Zahl möglicher Adressen auf einige Dutzend.

Recherchen in sozialen Medien führten die Ermittler zu einem Haushalt, in dem Lucy auf Fotos zu sehen war. Eine Überprüfung der Register ergab, dass dort ein Mann mit einer früheren Verurteilung wegen eines Sexualdelikts lebte.

Er wurde innerhalb weniger Stunden festgenommen. Die Staatsanwaltschaft erklärte später, er habe Lucy sechs Jahre lang missbraucht. Er wurde zu mehr als 70 Jahren Haft verurteilt.

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Ein lang erwartetes Treffen

Im vergangenen Sommer traf Squire Lucy, inzwischen in ihren Zwanzigern. Sie sagte ihm, sie habe vor der Festnahme „aktiv dafür gebetet, dass es endet“.

„Ohne klischeehaft klingen zu wollen, aber es war ein erhörtes Gebet“, sagte sie.

Für Squire bestätigte der Fall, warum er in einem Beruf geblieben ist, der ihn beinahe überwältigt hätte.

„Ich fühle mich geehrt, Teil eines Teams zu sein, das etwas bewirken kann“, sagte er der BBC.

Quelle: Berichterstattung des BBC World Service.

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