Startseite Welt Kanadas neue Rüstungsstrategie trifft auf Trumps „America First“-Kurs

Kanadas neue Rüstungsstrategie trifft auf Trumps „America First“-Kurs

USA, Canada
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Ottawa will weniger Rüstung aus den USA kaufen.

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Kanada will seine militärische Beschaffung neu ausrichten und stärker im eigenen Land verankern. Doch der Kurswechsel kommt zu einem Zeitpunkt, an dem Washington den globalen Waffenmarkt offensiv für sich beansprucht.

Wie CBC berichtet, hat die Regierung von Premierminister Mark Carney am Dienstag ihre seit mehr als einem Jahr vorbereitete Verteidigungsindustriestrategie vorgestellt.

Mehr wirtschaftliche Autonomie

Im Zentrum steht das Ziel, Verteidigungsausgaben als industriepolitisches Instrument zu nutzen. Wie CBC berichtet, soll innerhalb von zehn Jahren der Anteil der Aufträge an kanadische Unternehmen von derzeit 43 auf 70 Prozent steigen.

Carney betonte bei der Präsentation in Montreal: „Die Verteidigung Kanadas bedeutet mehr als nur die Größe unserer Streitkräfte.“ Wirtschaftliche Stärke und nationale Sicherheit gehörten zusammen.

Künftig gelte das Prinzip „bauen, kooperieren, kaufen“. Zunächst sollen heimische Anbieter berücksichtigt werden, danach Verbündete. Erst wenn beide Optionen ausscheiden, sollen Aufträge in andere Länder gehen.

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Strukturelle Hürden

Ob die Zielmarke von 70 Prozent tatsächlich einen grundlegenden Wandel bedeutet, ist umstritten. Der Verteidigungsexperte Michael Byers von der University of British Columbia verwies darauf, dass viele in Kanada tätige Rüstungsfirmen Tochtergesellschaften US-amerikanischer Konzerne sind.

„Die kanadische Verteidigungsindustrie wird von Tochtergesellschaften amerikanischer Rüstungskonzerne dominiert, sei es Lockheed Martin, General Dynamics oder L3Harris. Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen“, sagte Byers.

Er fügte hinzu: „Man kommt ziemlich leicht auf 70 Prozent, wenn man diese ausländischen Tochterfirmen amerikanischer Unternehmen mitrechnet. Andernfalls träumen sie – oder sie lügen.“

Auch die konservative Opposition äußerte laut CBC Zweifel an der Umsetzbarkeit. Verteidigungssprecher James Bezan warnte vor wiederholten Verzögerungen und nicht ausgeschöpften Haushaltsmitteln in der Vergangenheit.

Militärische Realität

Neben wirtschaftlichen Zielen enthält die Strategie konkrete Vorgaben zur Einsatzbereitschaft. Künftig sollen 75 Prozent der Marineschiffe, 80 Prozent der Heeresfahrzeuge und 85 Prozent der Flugzeuge einsatzfähig sein. Derzeit liegen die Werte teils deutlich darunter.

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Die höheren Zielwerte deuten darauf hin, dass Ottawa insbesondere Wartungskapazitäten und Ersatzteilverfügbarkeit ausbauen will.

Symbolträchtig ist der seit einem Jahr überprüfte Kauf von F-35-Kampfjets im Wert von 27 Milliarden Dollar. Wie CBC berichtet, prüft Ottawa dabei auch Alternativen wie den schwedischen Saab Gripen-E, der in Kanada gefertigt werden könnte.

Druck aus Washington

Parallel verschärft die US-Regierung ihren industriepolitischen Kurs. CBC berichtet, dass Präsident Donald Trump am 6. Februar eine „America-First-Strategie für Waffenexporte“ unterzeichnete, die den Export amerikanischer Waffensysteme beschleunigen und die heimische Produktion stärken soll.

In dem entsprechenden Präsidialerlass heißt es: „Dank der Führung von Präsident Trump beginnen unsere Partner und Verbündeten, mehr Verantwortung für die Sicherheit ihrer Region zu übernehmen. Um sicherzustellen, dass sie dies wirksam tun können, müssen die Vereinigten Staaten in der Lage sein, ihnen zuverlässig und rasch die besten militärischen Ausrüstungen der Welt zu liefern.“

Ob Kanadas Bestreben nach größerer Unabhängigkeit mit Washingtons Exportoffensive kollidiert, bleibt offen. Die kommenden Jahre dürften zeigen, ob Ottawa seine industriepolitischen Ambitionen mit den sicherheitspolitischen Realitäten eines eng verflochtenen nordamerikanischen Marktes vereinbaren kann.

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Quelle: CBC