Die Slowakei bereitet sich darauf vor, die Stromexporte in die Ukraine einzustellen – doch das könnte ihr selbst ebenso schaden.
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Ein Streit zwischen der Slowakei und der Ukraine über Stromhandel und Öltransit verschärft die Spannungen zwischen den Nachbarländern.
Die Meinungsverschiedenheit kommt zu einem Zeitpunkt, an dem beide Staaten über Energierouten und Infrastruktur aneinandergeraten, die durch Russlands Krieg beeinträchtigt wurden.
Pipeline-Spannungen nehmen zu
Der Streit steht im Zusammenhang mit der Druschba-Pipeline, die russisches Rohöl über die Ukraine in die Slowakei und nach Ungarn transportiert. Die Route ist seit Ende Januar außer Betrieb, nachdem sie bei einem russischen Drohnenangriff beschädigt worden war.
Die Slowakei und Ungarn haben Kyjiw beschuldigt, den Öltransit aus politischen Gründen zu blockieren. Ukrainische Behörden weisen diese Vorwürfe zurück.
Sowohl die Slowakei als auch Ungarn pflegen enge Beziehungen zum Kreml und haben wiederholt damit gedroht, EU-Sanktionen gegen Russland zu blockieren oder sie tatsächlich blockiert.
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Der slowakische Ministerpräsident Robert Fico hat gewarnt, er könne die Notstromunterstützung für die Ukraine einstellen, falls die Pipeline ihren Betrieb nicht wieder aufnimmt.
Doch das könnte auch der eigenen Wirtschaft schaden.
Nicht umsonst
Das ukrainische Außenministerium hat den slowakischen Plan kritisiert, die Stromexporte zu stoppen, und gewarnt, dass dies vor allem slowakischen Unternehmen schaden würde, die vom Handel profitieren.
„Wir können Bratislava nur dazu beglückwünschen, dass es sich darauf vorbereitet, sich selbst ins Bein zu schießen. Oder vielmehr in die Beine seiner eigenen Energieunternehmen“, erklärte der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Heorhij Tychyj, in einer schriftlichen Stellungnahme gegenüber dem Kyiv Independent.
„Die Ukraine kauft den Strom und erhält ihn nicht kostenlos. Die Regierung Fico wird slowakischen Unternehmen also schlicht Einnahmen entziehen, während die Ukraine diesen Strom aus anderen Quellen beziehen wird“, fügte er hinzu.
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Zunehmender Energiestreit
Laut der slowakischen Nachrichtenagentur Tasr beabsichtigt der slowakische Netzbetreiber SEPS, sein Abkommen mit dem ukrainischen Netzbetreiber Ukrenergo zu kündigen und die Stromexporte zu stoppen.
Ukrenergo-Chef Vitalij Saichenko sagte dem Kyiv Independent, dass bislang keine offizielle Mitteilung von SEPS eingegangen sei.
Selbst wenn die Exporte gestoppt würden, so sagte er, würde die Ukraine nur geringe Auswirkungen spüren, da slowakischer Strom in ihrer Gesamtversorgung nur eine untergeordnete Rolle spielt.
Begrenzte Energieauswirkungen
Die Ukraine hat Anfang dieses Jahres ihre Stromimporte erhöht, nachdem russische Raketen- und Drohnenangriffe ihre Energieinfrastruktur schwer beschädigt hatten.
Die Lage hat sich jedoch etwas entspannt, da die Wintertemperaturen steigen und westliche Partner Ausrüstung sowie finanzielle Unterstützung bereitstellen.
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Quellen: Kyiv Independent, Tasr