Dies geschah in Zusammenarbeit mit mehreren nichtstaatlichen Partnern und dem Internationalen Strafgerichtshof.
Europol gab am 20. April in einer Pressemitteilung bekannt, dass 45 ukrainische Kinder, die von Russland zwangsweise überführt oder deportiert wurden, durch eine gemeinsame Open-Source-Untersuchung identifiziert werden konnten.
Die Operation, die am 16. und 17. April über zwei Tage in Den Haag stattfand, brachte 40 Spezialisten aus 18 Ländern sowie Vertreter des Internationalen Strafgerichtshofs und mehrerer NGOs zusammen.
Beamte erklärten, das Team habe 45 Geheimdienstberichte erstellt, die potenzielle Hinweise zur Lokalisierung der Kinder und zur Identifizierung der für ihre Entführung Verantwortlichen enthielten.
Digitale Spuren aufgedeckt
Laut Europol sammelten die Ermittler Details zu möglichen Transportrouten und Personen, die die Überführungen erleichtert haben könnten, darunter Personal von Waisenhäusern und Militäreinheiten.
Die Untersuchung identifizierte auch Lager oder Einrichtungen, in die Kinder gebracht worden sein könnten, sowie Online-Plattformen, die Bilder oder Hinweise auf ihre Identität enthalten könnten.
Einige Erkenntnisse deuten darauf hin, dass bestimmte deportierte Kinder nun mit russischen Militärstrukturen in Verbindung stehen könnten, was bei den Ermittlern weitere Bedenken hervorruft.
Umfassendere Ermittlungsbemühungen
Die Initiative ist Teil umfassenderer Bemühungen, die mutmaßlichen Deportationen ukrainischer Kinder nach Russland und Belarus seit Beginn der umfassenden Invasion im Jahr 2022 zu dokumentieren.
Europol erklärte, dass der Einsatz digitaler Ermittlungstechniken es ermöglicht, verstreute Online-Daten in verwertbare Informationen umzuwandeln, die die ukrainischen Behörden unterstützen können.
Kiew schätzt, dass seit Kriegsbeginn mehr als 19.500 Kinder zwangsweise verschleppt wurden, eine Zahl, die weiterhin internationale Besorgnis hervorruft.
Rechtliche Prüfung nimmt zu
Nach internationalem Recht kann die Zwangsumsiedlung oder Deportation von Kindern ein Kriegsverbrechen darstellen, weshalb diese Fälle für Staatsanwälte Priorität haben.
Der Internationale Strafgerichtshof prüft bereits Vorwürfe im Zusammenhang mit der Entführung ukrainischer Kinder als Teil seiner umfassenderen Kriegsverbrechensermittlungen.
Diese jüngste Operation ist die dritte von Europol geleitete Initiative dieser Art und die zweite, die sich speziell auf ukrainische Kinder konzentriert.
20.000 Kinder verschleppt, so die Ukraine
Im März kam ein Bericht der Unabhängigen Internationalen Untersuchungskommission für die Ukraine zu dem Schluss, dass die Deportation und Zwangsumsiedlung ukrainischer Kinder nach Russland ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt.
Es ist unklar, wie viele Kinder zwangsweise verschleppt wurden, aber nach Angaben der Ukraine beläuft sich die Zahl auf fast 20.000.
In einem letzte Woche auf X veröffentlichten Beitrag schrieb der ukrainische Außenminister Andrij Sybiha, dass Russland die zwangsweise verschleppten Kinder als Verhandlungsmasse in den laufenden Verhandlungen zwischen Moskau und Kiew einsetzt.
Quellen: Europol, IStGH, ukrainische Behörden, Erklärung auf X von Andrij Sybiha
