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KI-gestützte Batterierecyclinganlage eröffnet in Hessen

Pile of used batteries
Roberto Sorin / Shutterstock.com

Eine neue Batterierecyclinganlage ist in Ginsheim-Gustavsburg in Südhessen in Betrieb gegangen. Ziel ist es, verwertbare Metalle aus alten Batterien zurückzugewinnen und mehr dieser Materialien innerhalb Europas zu halten.

Die Anlage wird vom österreichischen Recyclingunternehmen Saubermacher gemeinsam mit Meinhardt Städtereinigung betrieben. Sie nutzt künstliche Intelligenz in Kombination mit Röntgenscans, um eingehende Abfälle zu sortieren.
Wie BILD berichtet, kann das System zwischen herkömmlichen Haushaltsbatterien und spezialisierteren Einheiten unterscheiden, darunter auch solche, die in elektronische Geräte eingebaut sind.

Batterierecycling klingt einfach – bis man genauer hinsieht.

Unterschiedliche Batterietypen enthalten verschiedene Materialmischungen, was die Sortierung zu einem entscheidenden ersten Schritt macht. In der neuen Anlage werden Metalle wie Zink, Nickel, Eisen und Aluminium getrennt.

Kunststoffe und Glas werden parallel verarbeitet, während gefährliche Bestandteile entfernt und gesondert behandelt werden.

Kapazität signalisiert wachsenden Druck

Die Anlage ist auf große Mengen ausgelegt. Laut BILD können bis zu 100 Tonnen Haushaltsbatterien pro Tag verarbeitet werden.

Diese Zahl spricht für sich. Das Batterieaufkommen steigt, ebenso die Nachfrage nach den enthaltenen Materialien. Nicht nur bei Konsumgütern – auch die industrielle Nutzung nimmt zu, und die Lieferketten stehen unter Druck.

Hier übernimmt das Sortiersystem die Hauptarbeit. Anstatt sich ausschließlich auf konventionelle Methoden zu verlassen, hilft die KI zu entscheiden, wohin jedes einzelne Teil gelangt. Das ist schneller und präziser, zumindest in der Theorie.

Mehr als nur ein Recyclingprojekt

Bei der Eröffnung stellte Hessens Ministerpräsident Boris Rhein den größeren Zusammenhang heraus:

„Ein moderner Industriestandort muss heute nicht nur produzieren, sondern auch die Wertschöpfung im Land halten.“

Er stellte zudem einen Bezug zur Versorgungssicherheit her:

„Gerade in diesen geopolitisch unruhigen Zeiten brauchen wir mehr Unabhängigkeit und Resilienz.“

Es ist eine bekannte Aussage, die jedoch immer wieder auftaucht. Die Rückgewinnung von Materialien vor Ort wird zunehmend Teil der industriepolitischen Überlegungen von Regierungen – nicht nur der Umweltpolitik.

Oder, direkter gesagt: Nicht wegwerfen, was man später noch brauchen könnte.

Investition – und der Realitätscheck

Die Anlage war nicht günstig. Die beteiligten Unternehmen investieren einen zweistelligen Millionenbetrag, unterstützt mit 700.000 Euro vom Land Hessen, berichtet BILD.

Solche öffentlichen Förderungen werden immer häufiger. Recyclingkapazitäten werden inzwischen als Infrastruktur betrachtet.

Dennoch bleiben offene Fragen. Die effiziente Verarbeitung gemischter Batterieabfälle ist schwierig. Die Rentabilität hängt von Rückgewinnungsquoten, Energiekosten und schwankenden Metallpreisen ab. Und neue Batteriedesigns könnten die Aufgabe eher erschweren als erleichtern.

Die Richtung ist also klar.

Die Umsetzung ist in der Regel der kompliziertere Teil.

Quelle: BILD