Startseite Gesundheit Europas Allergiesaisons werden länger – Klimawandel erhöht Gesundheitsrisiken

Europas Allergiesaisons werden länger – Klimawandel erhöht Gesundheitsrisiken

Man with pollen allergy blowing his nose
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Saisonale Allergien weiten sich in Europa über ihre üblichen Zeitfenster hinaus aus. Für viele treten die Symptome inzwischen früher auf und klingen später ab, was den Alltag in Arbeit, Schule und Zuhause beeinträchtigt. Ärzte sagen, die Veränderung verlaufe schrittweise, sei jedoch zunehmend schwer zu übersehen.

Daten aus dem Lancet-Countdown-Bericht zeigen, dass Klimaveränderungen die Belastung durch allergische Erkrankungen auf dem gesamten Kontinent erhöhen, schreibt The Guardian.

Eine längere Pollenaussetzung verlängert die Phasen des Unwohlseins und verschlimmert bei einigen Atemwegserkrankungen.

Apotheken und Kliniken spüren die Auswirkungen. Die Nachfrage nach Antihistaminika steigt, und mehr Patienten suchen Hilfe in Zeiträumen, die früher als Randphasen der Allergiesaison galten.

Wärmere Luft und höhere Kohlendioxidwerte treiben diese Entwicklung voran und ermöglichen es Pflanzen, über längere Zeiträume mehr Pollen freizusetzen.

Eine längere Saison. Mehr Tage mit Symptomen.

Früher und intensiver

Der Lancet-Countdown-Bericht stellt fest, dass die Pollensaisons von Birke, Erle und Olivenbaum heute ein bis zwei Wochen früher beginnen als in den 1990er-Jahren.

Auch die Pollenintensität hat zugenommen. In Teilen Südenglands, Nordfrankreichs, Deutschlands und Osteuropas sind die Werte für Birke und Erle um 15–20 % gestiegen.

Für Allergiker ist nicht nur die Stärke der Pollen entscheidend, sondern auch deren Dauer. Wochen zusätzlicher Exposition können aus einer milden Erkrankung ein anhaltendes Problem machen.

Gleichzeitig breiten sich invasive Arten wie Ambrosia in neue Gebiete aus, was das Allergierisiko in Regionen erhöht, die zuvor kaum betroffen waren, berichtet die britische Zeitung.

Klima und Folgen

Dieses Muster spiegelt einen breiteren Wandel wider. Dieselbe Lancet-Analyse verknüpft den Klimawandel mit steigenden Gesundheitsrisiken in ganz Europa.

Hitzebedingte Todesfälle sind im Durchschnitt um 52 pro eine Million Einwohner gestiegen. Phasen extremer Hitze treten inzwischen deutlich häufiger auf. Die Bedingungen für Krankheiten wie Dengue werden zunehmend günstiger.

Vor allem Städte stehen unter zunehmendem Druck, da Hitze, Luftverschmutzung und Pollenbelastung zusammenwirken.

Experten heben konkrete Maßnahmen hervor: die Umgestaltung urbaner Räume mit mehr Grünflächen, die Verbesserung von Warnsystemen für hitzebedingte Gesundheitsrisiken sowie die Reduzierung der Nutzung fossiler Brennstoffe, um eine weitere Erwärmung zu begrenzen.

Cathryn Tonne vom Barcelona Institute for Global Health sagte:
„Die Umlenkung von Investitionen aus fossilen Brennstoffen in saubere Energie, die Verbesserung der Luftqualität, der Schutz gefährdeter Gruppen und die Vorbereitung der Gesundheitssysteme auf zunehmende klimabedingte Belastungen werden unmittelbare und langfristige gesundheitliche Vorteile bringen.“

Es gibt Anzeichen für Fortschritte. Todesfälle im Zusammenhang mit Luftverschmutzung aus Verkehr und Energieerzeugung sind in den vergangenen Jahrzehnten deutlich zurückgegangen, was zeigt, dass politische Maßnahmen einen messbaren Unterschied bewirken können.

Quellen: The Guardian, Lancet Countdown