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Trump treibt die Welt nicht auf einen dritten Weltkrieg zu, sagen Experten – doch der Frieden verbessert sich ebenfalls nicht

Donald Trump
Lucas Parker / Shutterstock

Ein Anstieg regionaler Konflikte hat die Sorge vor einer breiteren Konfrontation zwischen Großmächten verstärkt. Von Osteuropa bis in den Nahen Osten breiten sich Spannungen über mehrere Fronten aus.

Einige Analysten argumentieren, dass sich das globale System in einer Weise entwickelt, die einen einzigen, alles umfassenden Krieg weniger wahrscheinlich macht – auch wenn die Gewalt an sich nicht abnimmt.

Anstatt sich auf eine entscheidende Konfrontation zuzubewegen, erscheinen die heutigen Konflikte zunehmend voneinander entkoppelt. Diese Fragmentierung verändert laut Experten, die vom dänischen Sender TV 2 zitiert werden, die Dynamik der Eskalation.

Ole Wæver von der Universität Kopenhagen verweist auf einen wesentlichen Unterschied zu den vergangenen Jahren. Die frühere US-Strategie, insbesondere unter Joe Biden, zielte darauf ab, Verbündete in klareren Blöcken zu bündeln – etwa durch die Koordinierung Europas in Bezug auf die Ukraine bei gleichzeitigem Aufbau von Druck auf China.

Eine solche Struktur kann die Einsätze zwischen Großmächten erhöhen. Ohne sie können Konflikte begrenzt bleiben, selbst wenn sie sich lokal zuspitzen. Das Bild ist jedoch komplexer, als es ein schlichtes „sicherer“ nahelegt.

Einfluss und Grenzen

Donald Trumps außenpolitischer Ansatz spielt in diesen Wandel hinein, wenn auch nicht unbedingt bewusst.

Seine Skepsis gegenüber der NATO, der EU und den Vereinten Nationen spiegelt eine breitere Präferenz für bilaterale Verhandlungen gegenüber multilateralen Rahmen wider.

Wie aus der Berichterstattung von TV 2 hervorgeht, verringert dies die Beschränkungen, die Bündnisse mächtigen Staaten auferlegen.

Rasmus Brun Pedersen von der Universität Aarhus argumentiert, dass solche Institutionen dazu neigen, kleinere Länder zu stärken, indem sie größere an gemeinsame Regeln binden.

Das Abschaffen oder Abschwächen dieser Strukturen kann das Kräfteverhältnis verschieben. Es ermöglicht Washington, direkt mit einzelnen Staaten zu verhandeln und Druck gezielter sowie mitunter auch entschiedener auszuüben.

Die Regierung hat sich zudem von Teilen des UN-Systems distanziert und Alternativen ins Spiel gebracht, darunter eine weitgehend symbolische Initiative mit dem Namen „Board of Peace“, was die Bereitschaft unterstreicht, etablierte Foren zu umgehen.

Europa dazwischen

Für die europäischen Länder hat dieser Wandel gemischte Auswirkungen. Die NATO hat lange als sicherheitspolitischer Anker gedient, doch die Unsicherheit über das Engagement der USA zwingt die Regierungen, ihre Positionen zu überdenken.

Eine weniger vorhersehbare Bündnisstruktur kann das Risiko einer schnellen, blockgetriebenen Eskalation verringern. Gleichzeitig macht sie kleinere Staaten in bilateralen Beziehungen zu größeren Mächten verwundbarer.

Pedersen beschreibt Trumps Bilanz in deutlichen Worten: „Trump ist ein blutrünstiger Präsident gewesen.“ Die Aussage spiegelt Kritik an umfangreichen militärischen Engagements der USA wider, auch wenn formelle Bündnisse an Bedeutung verlieren.

Was sich herausbildet, ist keine friedlichere Ordnung, sondern eine lockerere und weniger koordinierte.

Wæver zufolge hat der Rückgang starker internationaler Rahmenwerke es erschwert, Krisen kollektiv zu bewältigen, und Raum für regionale Akteure geschaffen, sich stärker zu behaupten.

Statt auf eine große Konfrontation zuzusteuern, driftet die Welt in Richtung eines Flickenteppichs von Konflikten – schwieriger zu vereinen, aber auf lange Sicht auch schwerer einzudämmen.

Quellen: TV 2 Dänemark