Die deutschen Behörden haben eine groß angelegte landesweite Operation gegen mutmaßlich gewaltbereite Rechtsextremisten durchgeführt, während die Sorge über Angriffe auf LGBTQ+-Personen, Einwanderer und politische Gegner wächst.
DR News berichtete, dass am Mittwochmorgen mehr als 600 Polizeibeamte an koordinierten Razzien in zwölf der sechzehn deutschen Bundesländer beteiligt waren.
Jugendgruppen im Visier
Laut DR News konzentrierten sich die Ermittler auf 36 Verdächtige, die mit den rechtsextremen Jugendgruppen Deutsche Jugend Voran und Jung und Stark in Verbindung stehen, die Berichten zufolge auch unter dem Namen Neue Deutsche Welle auftraten.
Die Aktion umfasste Durchsuchungen an mehr als 50 Orten im ganzen Land.
DRs Deutschland-Korrespondent Steen Nørskov sagte, das Ausmaß der Razzien sei angesichts der relativ kleinen Größe der Gruppen bemerkenswert.
Sorge vor Gewalt
„Dies sind relativ kleine Gruppen. Insgesamt handelt es sich um einige hundert junge Menschen, aber sie sind sehr aktiv, und laut Polizei und Staatsanwaltschaft sind sie bereit, Gewalt anzuwenden“, sagte Nørskov.
Dem Bericht zufolge war der jüngste Verdächtige erst 16 Jahre alt.
Nach Angaben von DR News werden die Verdächtigen nicht nur strafbarer Handlungen beschuldigt, sondern auch der Aufstachelung zu Angriffen auf politische Gegner und Minderheitengruppen.
Wachsende Bedrohung
Nørskov sagte, die Gruppen hätten mutmaßlich mehrere Angriffe verübt, darunter Vorfälle im Zusammenhang mit Pride-Veranstaltungen sowie Auseinandersetzungen mit linken Aktivisten.
„Es sind vor allem Menschen aus der LGBTQ+-Gemeinschaft, Einwanderer oder junge Linke, die Zielscheibe der rechtsextremen Jugend sind“, sagte er.
Deutschlands Justizministerin Stefanie Hubig erklärte laut DR News, gewalttätiger Rechtsextremismus stelle inzwischen die größte Bedrohung für die innere Sicherheit des Landes dar.
Radikalisierung im Internet
In einem von DR News zitierten Interview mit der Deutschen Welle sagte Wolfram Pemp vom Bundeskriminalamt, moderne rechtsextreme Netzwerke seien zunehmend schwerer zu verfolgen.
„Jugendgruppen werden gegründet, umbenannt, neu gegründet und verschwinden dann schnell wieder“, erklärte Pemp.
Die Behörden erklärten, viele der Gruppen organisierten sich online über soziale Medien, wo Treffen und Aktivitäten schnell koordiniert würden.
Deutschland hat spezialisierte Polizeieinheiten zur Bekämpfung politisch motivierten Extremismus ausgebaut, insbesondere im Zusammenhang mit jungen Verdächtigen, da die Behörden versuchen, Radikalisierung frühzeitig zu stoppen.
Während der Operation am Mittwoch wurden keine Festnahmen vorgenommen.
Quellen: DR News, Deutsche Welle.