Gibraltars geplante Kläranlage soll jahrzehntelange ungeklärte Einleitungen ins Meer beenden. Sie macht auch eine praktische Folge des Brexits deutlich: Europäische Behörden haben nicht mehr dieselbe Möglichkeit, in der Sache Druck auszuüben.
Gibraltar vergab im Juni 2025 einen 25-Jahres-Vertrag an Eco Waters zum Bau einer Abwasserbehandlungsanlage am Europa Point, wo Abwasser weiterhin ungeklärt ins Mittelmeer eingeleitet wird.
Die Zeitung berichtete, dass Planungs- und geotechnische Arbeiten begonnen haben und dass im März 2026 ein Bauantrag eingereicht wurde.
Bis die Anlage in Betrieb ist, fließen Abwässer von rund 40.000 Einwohnern und Unternehmen weiterhin ungeklärt ins Meer.
Die Regierung von Gibraltar erklärte laut The Guardian, dass das System des Territoriums besondere Herausforderungen mit sich bringe, da Meerwasser in der Kanalisation verwendet werde und Trinkwasser aus Entsalzungsanlagen stamme.
Jahre der Rückschläge
Die Einleitungen stehen seit Jahren unter rechtlicher und politischer Beobachtung. Die britische Zeitung schreibt, dass der Europäische Gerichtshof 2017 entschieden habe, dass das Vereinigte Königreich im Fall Gibraltar gegen Abwasservorschriften verstoßen habe. Der Brexit habe jedoch später verändert, welche Möglichkeiten die Europäische Kommission hatte, die Angelegenheit weiterzuverfolgen.
Ein früherer Lösungsversuch scheiterte vor seiner Fertigstellung. Im Jahr 2018 entschied sich Gibraltar für ein Gemeinschaftsunternehmen mit NWG Commercial Services und Modern Water, doch der Plan brach zusammen, nachdem eine Tochtergesellschaft von Modern Water in Liquidation gegangen war.
Die Regierung von Gibraltar erklärte, die Liquidation habe die Umsetzung des Projekts verzögert. Außerdem seien Gespräche mit der Europäischen Investitionsbank gescheitert, weil das Vereinigte Königreich die EU verlassen habe.
Northumbrian Water wies eine Verantwortung für das Abwasserproblem zurück und erklärte: „Northumbrian Water war in keiner Weise für den Abwasserbetrieb in Gibraltar verantwortlich.“
Druck auf die Küste
Das Medium berichtete außerdem, dass Umweltgruppen auf sichtbare Verschmutzung an Gibraltars Küste hingewiesen hätten. Lewis Stagnetto vom Nautilus Project beschrieb „Feuchttücher und Plastikverschmutzung, die sich in Algen verfangen haben und überall auf den Felsen liegen“.
Für lokale Aktivisten ist das Abwasserproblem nicht nur eine Verzögerung bei der Infrastruktur. Es ist eine Bedrohung für die Küste, von der Gibraltar für Tourismus, Tierwelt und das öffentliche Vertrauen in saubere Strände abhängt.
Die Regierung von Gibraltar erklärte, dass Badewassertests durchgeführt würden und dass „alle Badebereiche in Gibraltar eine ausgezeichnete Badewasserqualität erreichen“.
Hugo Tagholm, Direktor von Oceana UK, sagte dem Guardian: „Die Öffentlichkeit ist empört darüber, dass unsere Flüsse und Meere wie eine Müllhalde behandelt werden.“
Der Druck liegt nun auf Gibraltar, seinen jüngsten Vertrag in eine funktionierende Anlage umzusetzen.
Quelle: The Guardian