Startseite Unterhaltung Französischer Medienchef droht protestierenden Schauspielern und Produzenten mit schwarzer Liste

Französischer Medienchef droht protestierenden Schauspielern und Produzenten mit schwarzer Liste

Red Carpet Cannes film festival
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Ein Mediendeal hat die Sorgen über eine zunehmende Machtkonzentration in der Filmbranche verschärft. Der Streit reicht inzwischen von Festivalvorführungen bis in die breitere Kulturwelt hinein.

Der Vorstoß von Canal+ zu größerer Kontrolle über UGC ist zum Mittelpunkt eines wachsenden Konflikts im französischen Kino geworden, schreibt The Guardian.

Das Unternehmen hat eine Minderheitsbeteiligung an UGC erworben, mit einer möglichen vollständigen Übernahme ab 2028.

UGC betreibt 55 Kinos in Frankreich und Belgien und zählt damit zu den größten Kinoketten des Landes.

Die Sorge über die Medienmacht des Eigentümers Vincent Bolloré hat sich zu einer direkten Konfrontation mit französischen Filmschaffenden entwickelt.

Kontrolle über die Kinokette

Filmschaffende befürchten, dass ein einzelner Konzern Einfluss auf zu viele Bereiche des Kinos gewinnen könnte: Finanzierung, Produktion, Vertrieb, Kinostarts und spätere Ausstrahlungen.

Diese Sorge veranlasste mehr als 600 Persönlichkeiten aus der Filmbranche dazu, zum Auftakt der Filmfestspiele von Cannes einen offenen Brief zu unterzeichnen, berichtet die britische Zeitung. Zu den Unterzeichnern gehörten Juliette Binoche, Raymond Depardon, Sepideh Farsi und Arthur Harari.

In dem Brief hieß es, dass die Gefahr bestehe, „das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Eigentümers zu legen“, was „nicht nur zur Standardisierung von Filmen, sondern auch zu einer faschistischen Übernahme der kollektiven Vorstellungskraft“ führen könne.

Canal+-Chef Maxime Saada wies die Kritik in Cannes zurück. Er bezeichnete die Petition als „Ungerechtigkeit gegenüber den Canal+-Teams, die sich dem Schutz der Unabhängigkeit von Canal+ und der vollen Vielfalt seiner Entscheidungen verpflichtet fühlen“.

Anschließend sagte er: „Ich werde nicht mehr mit den Menschen zusammenarbeiten, die diese Petition unterschrieben haben, und ich möchte auch nicht, dass Canal mit ihnen zusammenarbeitet.“

Die Äußerung verschärfte den Konflikt zwischen Canal+ und Filmschaffenden, die auf große Geldgeber der Branche angewiesen sind.

Breiterer Widerstand

Zu Bollorés Medienbeteiligungen gehören Canal+, StudioCanal, CNews, Europe 1 und Le Journal du Dimanche.

StudioCanal hat neuere Filme wie Back to Black und Paddington in Peru unterstützt, berichtet The Guardian.

Die gleiche Sorge hat inzwischen auch das Verlagswesen erreicht. Euronews berichtete im April, dass 115 Autoren des Verlags Grasset angekündigt hätten, das Verlagshaus nach der Absetzung des Vorsitzenden Olivier Nora zu verlassen, und die Krise mit Bollorés Einfluss über Hachette in Verbindung gebracht hätten.

Die Autoren erklärten: „Wir weigern uns, Geiseln in einem ideologischen Krieg zu sein, der versucht, Autoritarismus überall in Kultur und Medien durchzusetzen.“

Der Konflikt zeigte sich auch in den Veranstaltungsorten in Cannes. Das Canal+-Logo wurde bei einigen Vorführungen ausgebuht, darunter vor dem Eröffnungsfilm des Festivals, The Electric Kiss.

Bolloré hat politische Einflussnahme bestritten. Laut The Guardian erklärte er bei einer Anhörung im französischen Senat im Jahr 2022, seine Medieninvestitionen seien finanzieller Natur und mit dem kulturellen Einfluss Frankreichs verbunden.

Nach dem Aufstand bei Grasset schrieb er in Le Journal du Dimanche, die Kritiker seien „eine kleine Kaste, die glaubt, über allen anderen zu stehen“. Er fügte hinzu: „Was die Angriffe auf meine ‚Ideologie‘ betrifft: Ich bin Christdemokrat.“

Quellen: The Guardian, Euronews, Le Journal du Dimanche