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Putin strebt Abkommen mit China an, während Europa seine Abhängigkeit von russischem Gas reduziert

Putin strebt Abkommen mit China an, während Europa seine Abhängigkeit von russischem Gas reduziert
Kremlin.ru, CC BY 4.0, via Wikimedia Commons

Ein Besuch in Peking rückt Russlands Energieproblem in den Fokus. Moskau drängt auf Fortschritte beim Gasverkauf, während Peking offenbar auf bessere Bedingungen warten kann.

Wladimir Putin ist heute zusammen mit hochrangigen Ministern und führenden russischen Wirtschaftsvertretern, darunter bedeutende Persönlichkeiten aus der Öl- und Gasbranche, in China eingetroffen, berichtet TV 2 unter Berufung auf Reuters.

Bei dem Besuch dürfte der Schwerpunkt stark auf wirtschaftlichen Fragen liegen. Russland braucht Abnehmer für jene Energieexporte, die früher leichter nach Europa flossen, und China gehört nun zu den wenigen Partnern, die groß genug sind, um in diesem Umfang eine Rolle zu spielen.

Ein zentrales Thema ist Power of Siberia 2, die geplante Gaspipeline, die russisches Gas nach China transportieren soll. TV 2 berichtet, dass Moskau auf einen Durchbruch hofft, Peking jedoch dem von Russland geforderten Preis bislang nicht zugestimmt hat.

Dieser Streitpunkt verleiht dem Besuch einen schärferen Ton. Die beiden Regierungen stellen ihre Beziehungen häufig als eng und stabil dar, doch die Pipeline-Gespräche zeigen, dass China Moskaus Bedingungen nicht einfach akzeptiert.

Russlands schwächere Position

Der TV-2-Korrespondent Claus Borg Reinholdt erklärte, Putins Delegation zeige, wie sehr Russland an China verkaufen wolle. Er verwies auf die Anwesenheit einflussreicher Vertreter der russischen Energiebranche als Zeichen dafür, dass Handel und nicht Zeremonielles im Mittelpunkt der Reise stehe.

Auch Mette Skak, emeritierte Professorin für Politikwissenschaft an der Universität Aarhus, äußerte sich gegenüber TV 2. Sie schätzte ein, dass Putin aus einer geschwächten Position in die Gespräche gehe, weil Russland China stärker brauche als China Russland.

Ihr zufolge drängt Moskau auf Verkäufe und politische Rückversicherung, während Peking aus einer stärkeren Position heraus verhandeln kann. China verfügt über andere Energielieferanten und muss sich nicht beeilen, ein Abkommen zu russischen Bedingungen abzuschließen.

Europas geringere Abhängigkeit von russischem Gas hat Moskaus Handlungsmöglichkeiten verändert. Eine große Pipeline nach China würde Russland helfen, seine Exporte umzuleiten – allerdings nur, wenn Preis und Bedingungen für Peking akzeptabel sind.

Öffentliche Einigkeit

Putin versuchte bereits vor seiner Ankunft, die Reise in deutlich wärmeren Worten darzustellen. Reuters zufolge sagte er, Russland und China hätten ein „beispielloses Niveau“ gegenseitigen Verständnisses und Vertrauens erreicht.

Er sagte außerdem: „Wir bilden mit niemandem Bündnisse, sondern arbeiten für Frieden und Wohlstand.“

Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte laut Reuters, Moskau habe „hohe Erwartungen“ an den Besuch. Treffen zwischen den beiden Staatschefs würden dazu beitragen, die Entwicklung der russisch-chinesischen Beziehungen weiter voranzutreiben.

Diese öffentliche Wortwahl ist für den Kreml wichtig. Putin will zeigen, dass Russland nicht isoliert ist und dass China in einer Zeit anhaltenden westlichen Drucks weiterhin ein verlässlicher Partner bleibt.

Pekings Vorteil

Charlotte Flindt Pedersen, Direktorin der Dänischen Gesellschaft für Außenpolitik, sagte dem dänischen Sender, Putin wolle bestätigen, dass Moskaus erklärte Partnerschaft mit Peking auch nach Xi Jinpings jüngsten Gesprächen mit Trump Bestand habe.

Dieser Aspekt ist bedeutsam, weil Putin Russland heute deutlich seltener verlässt als in früheren Phasen seiner Herrschaft. Eine Reise nach China signalisiert, dass die Beziehung zu Xi Jinping wichtig genug ist, um persönliche Aufmerksamkeit zu erhalten.

Dennoch ist das Kräfteverhältnis unausgeglichen. Russland sucht nach Exporterlösen, politischer Unterstützung und langfristiger wirtschaftlicher Sicherheit. China kann einiges davon bieten, kann jedoch auch günstige Bedingungen verlangen.

Für Peking ist russische Energie nützlich. Sie kann die Versorgungssicherheit stärken und China eine weitere Gasquelle verschaffen. Doch die festgefahrenen Pipeline-Gespräche deuten darauf hin, dass Xis Regierung keine Eile hat, mehr zu zahlen, als sie möchte.

Was auf dem Spiel steht

Für Putin geht es bei dem Besuch um mehr als nur eine einzelne Pipeline. Öl, Gas und andere Rohstoffe helfen dabei, den russischen Staat zu finanzieren und die Kriegswirtschaft zu stützen.

Sollte Moskau stärkere Energieflüsse nach China sichern können, würde dies einen Teil des Drucks mindern, der durch Europas Abkehr von russischen Lieferungen entstanden ist.

Bleiben die Gespräche jedoch festgefahren, könnte Russlands Abhängigkeit von China noch sichtbarer werden.

Die Reise sendet daher gleichzeitig zwei Botschaften aus. Öffentlich können Putin und Xi über Vertrauen und Partnerschaft sprechen. Hinter verschlossenen Türen lautet die schwierigere Frage jedoch, ob China Russland das Energieabkommen anbieten wird, das Moskau anstrebt.

Quellen: TV 2 Dänemark, Reuters