Ukrainische Ermittler geben an, abgereichertes Uran in einer russischen Rakete identifiziert zu haben, die nach einem Angriff in der Oblast Tschernihiw geborgen wurde, was neue Bedenken hinsichtlich der in Moskaus Luftkampagne eingesetzten Waffen aufwirft.
Der ukrainische Sicherheitsdienst (SBU) gab an, die Rakete sei an einer modifizierten Geran-2-Drohne befestigt gewesen und habe ukrainische Hubschrauber und Flugzeuge ins Visier nehmen sollen, die an Luftverteidigungsoperationen beteiligt sind, berichtet der Kyiv Independent.
Strahlung entdeckt
Nach Angaben des SBU wurden erhöhte Strahlungswerte festgestellt, nachdem Spezialisten eine unexplodierte Luft-Luft-Rakete vom Typ R-60 untersucht hatten, die nach dem Angriff im letzten Monat geborgen worden war.
Die Ermittler gaben an, die Strahlungsquelle sei mit abgereicherten Uranbestandteilen in Verbindung gebracht worden, die Uran-235 und Uran-238 enthielten.
Die Behörde meldete Strahlungswerte von bis zu 12 Mikrosievert pro Stunde, was deutlich über den normalen Hintergrundwerten liegt.
Einsatzkräfte, Militärpersonal und SBU-Spezialisten sicherten den Sprengkopf später, bevor sie ihn zu einer Anlage für radioaktive Abfälle transportierten.
Die Bedeutung
Abgereichertes Uran entsteht üblicherweise bei der Urananreicherung und ist für seine extreme Dichte bekannt, wodurch es gepanzerte Ziele effektiv durchdringen kann.
Ukrainische Beamte warnten, dass beschädigte oder verbrannte Munition, die abgereichertes Uran enthält, gefährlichen radioaktiven Staub in die Umwelt freisetzen könnte.
„Beschädigte oder verbrannte Munition stellt die größte Gefahr dar, da sie radioaktiven Staub freisetzen kann, der für Menschen und die Umwelt gefährlich ist“, so der SBU.
Die Behörden forderten die Zivilbevölkerung auf, sich nicht den Trümmern von Drohnen, Raketen oder anderer Munition zu nähern, die nach Angriffen entdeckt werden.
Ermittlungen wegen Kriegsverbrechen
Der ukrainische Sicherheitsdienst gab an, Ermittler hätten ein Strafverfahren gemäß Artikel 438 des ukrainischen Strafgesetzbuches eingeleitet, der sich auf mutmaßliche Kriegsverbrechen bezieht.
Die Ermittlungen werden von der regionalen Staatsanwaltschaft Tschernihiw beaufsichtigt.
Russland hat sich zu den ukrainischen Behauptungen bezüglich des Einsatzes von abgereichertem Uran in dem geborgenen Raketensystem nicht öffentlich geäußert.
Wachsende Besorgnis
Die Entdeckung erfolgt inmitten anhaltender russischer Drohnen- und Raketenangriffe in der gesamten Ukraine, einschließlich des zunehmenden Einsatzes modifizierter, iranisch konstruierter Geran-Drohnen.
Kiew hat Moskau wiederholt vorgeworfen, den Einsatz unkonventioneller Taktiken und Waffen im Rahmen seiner Langstreckenangriffskampagne gegen die ukrainische Infrastruktur und militärische Ziele zu eskalieren.
Die jüngsten Behauptungen dürften die internationale Prüfung der im Krieg eingesetzten Munitionstypen intensivieren.
Quellen: Kyiv Independent, SBU