Die Strategie ist bereits sehr effektiv“.
Kriege werden oft fernab der Frontlinien gewonnen.
Die Störung der Lieferketten eines Feindes kann einen gesamten Konflikt stillschweigend neu gestalten, lange bevor Infanterieeinheiten überhaupt aufeinandertreffen.
Das ukrainische Militärkommando weiß das und startet deshalb eine neue Operation:
„Logistics Lockdown“.
Die Nachschublinien abwürgen
Nach Angaben des Verteidigungsministeriums der Ukraine soll die Initiative russische Operationen lahmlegen. Sie zielt auf Lagerhäuser, Kommandoposten und tief gelegene Transportwege ab.
Durch die Zerstörung dieser wichtigen Knotenpunkte will Kiew die offensive Dynamik des Feindes vollständig zum Erliegen bringen.
Um dies zu erreichen, weitet das Militär den Einsatz von Mittelstrecken-Kampfdrohnen aus. Dabei handelt es sich um spezialisierte Waffensysteme, die darauf ausgelegt sind, Dutzende oder Hunderte Kilometer tief in feindliches Gebiet vorzudringen.
Die ukrainischen Streitkräfte haben diese Tiefenschläge in den vergangenen Monaten bereits vervierfacht, was zu einem spürbaren Rückgang russischer Angriffe an der Front geführt hat.
Auch die menschlichen Verluste für Moskau steigen weiterhin dramatisch an. Offizielle Daten zeigen, dass die russischen Streitkräfte im Oktober 67 Soldaten pro erobertem Quadratkilometer verloren. Bis April war diese Zahl auf 179 Soldaten pro Quadratkilometer in die Höhe geschnellt. Die monatlichen Gesamtverluste übersteigen inzwischen 35.000 Mann.
Geld für Drohnen
Eine beträchtliche Finanzierung treibt bereits die erste Phase voran. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums haben die Behörden 5 Milliarden ukrainische Hrywnja (fast 113 Millionen US-Dollar) direkt an die leistungsstärksten Frontlinieneinheiten überwiesen.
Die Finanzierung läuft über ein digitales System namens ePoints, das es Brigaden ermöglicht, sofort moderne Drohnen zu erwerben.
Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow betonte die strategische Bedeutung der Initiative.
„Unsere derzeitige Aufgabe, wie vom Präsidenten angewiesen, sei es, die Mittelstrecken-Angriffsfähigkeiten zu maximieren und in enger Abstimmung mit dem Militär eine vollständige Logistikblockade gegen den Feind zu verhängen. In der ersten Phase des Programms hätten das Verteidigungsministerium und der Generalstab bereits zusätzliche 5 Milliarden UAH direkt dem Militär zugewiesen, um moderne Mittelstreckenfähigkeiten zu beschaffen“, erklärte Fedorow.
Die Technologie hat der Ukraine einen Vorteil verschafft, insbesondere nachdem russische Truppen den Zugang zu Starlink-Satellitendiensten verloren hatten. Als Nächstes sollen große öffentliche Ausschreibungen die Produktion hochfahren. Dieser zentralisierte Ausschreibungsprozess soll den Wettbewerb unter den Herstellern fördern und gleichzeitig Korruptionsrisiken deutlich reduzieren.
Fedorow glaubt, diese Veränderungen würden die Realität vor Ort schnell verändern. „Bereits in diesem Sommer würden die Auswirkungen der zentralisierten Beschaffung von Mittelstreckenfähigkeiten auf dem Schlachtfeld spürbar sein. Der Feind werde sich selbst weit hinter den Frontlinien nicht mehr sicher fühlen“, sagte der Minister.
Funktioniert bereits
Nach Angaben des Institute for the Study of War zeigt die Theorie hinter „Logistics Lockdown“ bereits Wirkung.
Der Thinktank stellte in seinem Update zum Krieg vom 28. Mai fest, dass die Mittelstrecken-Angriffskampagne der ukrainischen Streitkräfte bemerkenswerte operative Effekte erzielt habe.
Die Analysten beurteilen, dass es der Ukraine gelungen sei, eine tiefe Zone der Drohnenaktivität hinter der russischen Frontlinie zu schaffen. Dadurch werde es für die russischen Streitkräfte so schwierig, überhaupt das Schlachtfeld zu erreichen, dass eine zusätzliche russische Mobilisierung die Leistung Russlands im Krieg möglicherweise nicht verbessern werde — schlichtweg, weil neue Rekruten und Nachschub die Frontlinie nicht erreichen könnten.
Quellen: Ukrainisches Verteidigungsministerium, Institute for the Study of War