Eine von Digi24 zitierte Analyse von Bloomberg kommt zu dem Schluss, dass Russlands reichste Geschäftsleute zunehmend besorgt sind, dass wachsende staatliche Eingriffe, Vermögensbeschlagnahmungen und kriegsbedingte finanzielle Belastungen selbst die größten Vermögen gefährden könnten.
Russlands wohlhabendste Geschäftsleute werden zunehmend nervös, da der Kreml seine Kampagne aus Verstaatlichungen, Vermögensbeschlagnahmungen und Korruptionsermittlungen ausweitet.
Laut Digi24 unter Berufung auf eine Analyse von Bloomberg gelten selbst Oligarchen, die als loyal gegenüber Wladimir Putin angesehen werden, nicht länger als vor staatlichen Eingriffen geschützt.
Wachsende Besorgnis
Laut Bloomberg sorgt sich Russlands Wirtschaftselite zunehmend darüber, dass strategische Vermögenswerte vom Staat übernommen werden könnten.
Die Kampagne hat sich seit der groß angelegten Invasion der Ukraine intensiviert. Die Behörden nehmen dabei Unternehmen aus Bereichen wie Energie, Landwirtschaft, Transport, Infrastruktur und Chemie ins Visier.
Von der Veröffentlichung zitierte Analysten sagen, die Botschaft des Kremls werde immer deutlicher: Politische Loyalität allein garantiere möglicherweise keinen Schutz mehr.
Viele wohlhabende Russen befürchten Berichten zufolge, dass ihre Unternehmen ohne Vorwarnung ins Visier geraten könnten.
Prominente Fälle
Ein von Bloomberg hervorgehobenes Beispiel ist der Agrarmagnat Wadim Moschkowitsch, der die Kontrolle über bedeutende Beteiligungen an der Rusagro-Gruppe verloren habe, berichtet Digi24.
Russische Staatsanwälte argumentierten, dass seine politischen Aktivitäten und geschäftlichen Interessen im Widerspruch zu nationalen Vorschriften stünden.
Ein weiterer Fall betrifft den Unternehmer Konstantin Strukow, der Berichten zufolge nach Korruptionsvorwürfen die Kontrolle über seine Bergbau- und Agrarvermögen verlor.
Laut Bloomberg hatte Strukow zuvor staatliche Auszeichnungen erhalten und war Mitglied der Regierungspartei Einiges Russland.
Ausweitung staatlicher Kontrolle
Nach von Bloomberg zitierten Schätzungen wurden in den vergangenen Jahren Vermögenswerte im Wert von rund vier Billionen Rubel unter staatliche Kontrolle gestellt.
Die Behörden rechtfertigten viele der Beschlagnahmungen mit Korruptionsermittlungen, nationalen Sicherheitsinteressen oder Streitigkeiten im Zusammenhang mit Privatisierungen der 1990er Jahre.
Als Reaktion darauf fordern russische Wirtschaftsführer zunehmend stärkeren rechtlichen Schutz für Privateigentum.
Ein kürzlich verabschiedetes Gesetz führt eine Verjährungsfrist von zehn Jahren für die Anfechtung von Privatisierungsgeschäften ein, wobei Korruptionsfälle weiterhin ausgenommen bleiben.
Finanzierungsdruck durch den Krieg
Laut The Bell, zitiert von Digi24, forderte Putin bei einem nicht öffentlichen Treffen im März zudem führende Unternehmer auf, freiwillige finanzielle Beiträge zur Unterstützung des Staates zu leisten.
Die Gespräche fanden Berichten zufolge vor dem Hintergrund wachsender Haushaltsbelastungen infolge des Krieges in der Ukraine statt.
Von The Bell zitierte Quellen erklärten, dass der Geschäftsmann Suleiman Kerimow 100 Milliarden Rubel zugesagt habe, während andere wohlhabende Teilnehmer ebenfalls ihre Unterstützung für die Initiative signalisierten.
Analysten erklärten gegenüber Bloomberg, dass die Kombination aus zunehmendem finanziellem Druck und wachsender staatlicher Kontrolle die Sorgen der russischen Wirtschaftselite über die Sicherheit ihrer Vermögen weiter verstärke.
Quellen: Digi24, Bloomberg, The Bell