Der Bericht skizzierte drei mögliche Zukunftsszenarien für Russland: ein positives, ein negatives und ein Fortsetzungsszenario.
Zwei prominente russische Hardliner präsentierten auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg, auch bekannt als „Putins Davos“, mehrere Zukunftsszenarien für das Land.
Laut der russischen Wirtschaftszeitung Kommersant wurde die Präsentation von dem russischen Oligarchen Konstantin Malofejew, bekannt für seine Kreml-Nähe, und Alexander Dugin, einem ultranationalistischen Philosophen und Ideologen, der wegen seines Einflusses auf den russischen Staatschef als „Putins Gehirn“ gilt, gehalten.
Vor Beginn der Präsentation erklärte Malofejew, dies sei „ein wissenschaftlicher Bericht, der von einer ganzen Gruppe von Experten erstellt wurde“. Anschließend begann er die Folienpräsentation, die einen guten, einen schlechten und einen fortlaufenden Pfad für Russlands Zukunft skizzierte.
Einer dieser Pfade umfasste einen Nuklearschlag innerhalb des nächsten Jahrzehnts.
Eine gefährliche Entwicklung
Der fortlaufende Pfad konzentrierte sich darauf, was geschieht, wenn der Krieg in der Ukraine bis 2036 einfach im aktuellen Tempo weitergeht.
Die Aussichten für diesen fortlaufenden Verlauf sind explosiv. Laut den Präsentationsfolien werde Russland, falls die Lage auf dem Schlachtfeld in ihrer aktuellen Sackgasse verharrt, letztendlich Atomwaffen einsetzen.
„Wir betrachten den Einsatz von Atomwaffen nicht als ein ‚Slow-Fire‘-Szenario; wir halten ihn für ein gutes“, erklärte Malofejew.
Die „guten“ und die „schlechten“ Szenarien
Im in der Präsentation skizzierten guten Szenario werde Russland bis 2036 den Großteil der Ukraine besetzt haben, einschließlich Kiews, Odessas und Charkiws.
Dieses Szenario umfasse auch den Zusammenbruch der Europäischen Union.
Das „schlechte“ Szenario skizzierte eine russische militärische Niederlage in der Ukraine, die laut der Präsentation bis 2050 zur „Kolonisierung Russlands“ führen würde.
Eine Gratwanderung
Das Institute for the Study of War (ISW) legt in seinem Update vom 3. Juni zum Krieg nahe, dass diese extremen Ideen tatsächlich einem politischen Zweck der aktuellen Regierung dienen könnten.
Indem der Kreml Hardlinern erlaube, solch radikale Szenarien zu äußern, könne er Präsident Wladimir Putin im Vergleich ruhig und moderat erscheinen lassen.
Die Denkfabrik weist jedoch auch darauf hin, dass die russische Regierung einen schmalen Grat beschreiten müsse. Putin sei stark auf die Unterstützung dieser leidenschaftlichen Hardliner angewiesen, um die Kriegsanstrengungen aufrechtzuerhalten. Er könne ihre radikalen Forderungen nicht einfach abtun, ohne deren entscheidende Unterstützung zu riskieren.