Den Luftraum zu schützen, ist zu einer der teuersten Herausforderungen in der modernen Kriegsführung geworden.
Während Milliarden für den Import modernster Verteidigungssysteme ausgegeben werden, führt die Abhängigkeit von einem einzigen ausländischen Lieferanten zu finanziellen und logistischen Belastungen. Nun wird intensiv daran gearbeitet, diese Last näher an die Heimat zu verlagern, wie United24Media berichtet.
Suche nach neuen Schutzschilden
Bei Gesprächen in London am 7. Juni traf der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mit dem britischen Premierminister Keir Starmer, dem deutschen Bundeskanzler Friedrich Merz und dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron zusammen. Sie konzentrierten sich stark auf die Abwehr russischer ballistischer Raketenangriffe. Laut The Guardian erklärte Selenskyj, dass die europäischen Mächte zugestimmt hätten, der Ukraine bei der Verteidigung ihres Luftraums zu helfen.
Derzeit verlassen sich westliche Streitkräfte stark auf amerikanische Technologie. Das US-Patriot-System ist eine der wenigen Plattformen, die ballistische Ziele abfangen kann, insbesondere unter Verwendung fortschrittlicher PAC-3 MSE-Abfangraketen. Doch die Bestückung dieser Systeme ist zu einer untragbaren finanziellen Belastung geworden.
Jede Patriot-Abfangrakete kostet etwa 4 Millionen US-Dollar, und da die russischen Raketenangriffe anhalten, schrumpfen die Bestände rapide. Um dies zu beheben, schlug Selenskyj eine gemeinsame Lösung vor. Er wünsche sich, dass Großbritannien, Frankreich und Deutschland ihre Ressourcen bündeln und ein neues, europäisch kontrolliertes Abfangraketenprogramm aufbauen.
Im Gegenzug werde die Ukraine wertvolle Daten aus über vier Jahren umfassender Kriegsführung teilen. „Großbritannien gehört dazu. Und die NATO ist sehr daran interessiert. Das sind unbezahlbare Informationen. Es gibt ein riesiges Volumen davon“, sagte Selenskyj laut The Guardian.
Aufbau eines Ersatzes
Derzeit verfügt Europa über wenige eigene Optionen. Die einzige regionale Plattform mit antiballistischer Fähigkeit ist das französisch-italienische SAMP/T-System. United24 Media berichtete, dass die Ukraine im Jahr 2023 eine einzige Batterie erhalten habe, aber geringe Produktionsmengen die steigende Nachfrage nicht decken könnten.
Aufgrund dieser Einschränkungen entwickeln ukrainische Rüstungsfirmen lokale Alternativen. Der Hersteller Fire Point veröffentlichte kürzlich Aufnahmen, die erfolgreiche Tests seiner neuen Abfangrakete FP-7.X zeigen. Ein komplettes System soll bis 2027 einsatzbereit sein.
Die Kosten sind hier der Hauptantrieb. Denis Shtilyerman, Mitbegründer von Fire Point, sagte, das Unternehmen wolle, dass jede Abfangrakete weniger als 1 Million US-Dollar koste. Das ist ein massiver Rückgang gegenüber den US-Preisen. Shtilyerman merkte an, dass die Abwehr einer einzelnen ballistischen Rakete oft mehrere Patriot-Raketen erfordere, was die aktuellen Operationen unglaublich teuer mache.
Quellen: The Guardian, United24 Media