Startseite Krieg Der Ukrainekrieg macht Amerikas Staatsmisstrauen schwerer nachvollziehbar

Der Ukrainekrieg macht Amerikas Staatsmisstrauen schwerer nachvollziehbar

USA, Ukraine, flag
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Öffentliche Institutionen können fern erscheinen – bis ein nationaler Notfall sie unvermeidbar macht. Die Reflexion einer Autorin verwandelt diesen Gegensatz in eine Warnung vor den Gefahren für die Demokratie.

Nataliya Gumenyuk, eine ukrainische Journalistin, die seit zwei Jahrzehnten über die USA berichtet, hat in The Guardian einen nachdenklichen Essay veröffentlicht, in dem sie untersucht, wie die amerikanische Politik aus der Perspektive eines Landes wirkt, das um sein Überleben kämpft.

Ihr Blick ist von beiden Welten geprägt: von Jahren des Berichtens über US-Wahlen und vom Leben in der Ukraine, seit Russlands Krieg die Bedeutung öffentlicher Institutionen unübersehbar gemacht hat.

Von Obama zu Trump

Zum ersten Mal berichtete sie 2008 über einen US-Präsidentschaftswahlkampf. Barack Obamas Kampagne erinnerte sie an die demokratische Aufbruchsstimmung, die sie während der Orangenen Revolution in der Ukraine erlebt hatte.

Überrascht habe sie, wie erbittert Amerikaner über das Gesundheitssystem, Bildung und Sozialleistungen stritten – Bereiche, die viele Ukrainer und Europäer als grundlegende Aufgaben des Staates betrachten.

In Ohio traf sie Menschen, die unter Arbeitsplatzverlusten und dem Niedergang der Industrie litten. Der pensionierte Arbeiter Henry Sadinsky sagte zu ihr: „Was hier passiert, passiert im ganzen Land.“

Auf späteren Reisen beobachtete Gumenyuk, wie sich die Debatten weiter verhärteten. Sachpolitische Diskussionen wurden zunehmend von falschen Behauptungen über Obamas Geburtsort, Verschwörungstheorien und Pandemieleugnung verdrängt.

Bei Trump-Kundgebungen während der Covid-Pandemie wurden Masken zu politischen Symbolen statt zu einfachem Schutz. Ein Mann sagte zu ihr: „Nehmen Sie Ihre Maske ab!“ Eine Frau erklärte: „Trump lässt mich in die Kirche gehen. Er schickt mich nicht nach China und zwingt mich nicht, etwas vor meinem Gesicht zu tragen.“

Krieg macht den Staat greifbar

Russlands umfassende Invasion erteilte der Ukraine eine harte Lektion darüber, was ein funktionierender Staat tatsächlich leistet. Soldaten hielten die Frontlinien. Krankenhäuser versorgten Verwundete. Züge fuhren weiterhin in gefährliche Gebiete. Einsatzkräfte reparierten nach Raketenangriffen die Stromversorgung.

Diese Erfahrung lässt die amerikanische Skepsis gegenüber öffentlichen Institutionen, von Kyjiw aus betrachtet, noch beunruhigender erscheinen. Die Ukraine ist in hohem Maße auf militärische Unterstützung aus den USA angewiesen. Gleichzeitig stehen Teile der amerikanischen Rechten Hilfen zunehmend skeptisch gegenüber und zeigen sich offener für Moskaus Rhetorik über „traditionelle“ Werte.

In ihrem Essay argumentiert Gumenyuk, dass Demokratie nicht allein auf privater Wohltätigkeit, individueller Entscheidungsfreiheit oder Freiheitsparolen beruhen könne. In der Ukraine ist der Staat keine Abstraktion und keine ferne Bürokratie mehr.

Er ist das System, das Schäden behebt, Menschen in Sicherheit bringt, Verwundete versorgt und den Alltag aufrechterhält, während das Land angegriffen wird.

Quellen: The Guardian