Russische Kommentatoren haben Strafen gefordert, nachdem Bürger Videos von Moskaus größtem Drohnenangriff seit Beginn des Krieges geteilt hatten.
Russische Kommentatoren fordern Strafen, nachdem Bürger Videos von Moskaus größtem Drohnenangriff seit Kriegsbeginn geteilt haben.
Nach dem groß angelegten Drohnenangriff auf Moskau in der vergangenen Nacht haben mehrere prominente russische Kommentatoren scharfe Kritik an Bürgern geübt, die Videos des Vorfalls in sozialen Medien veröffentlichten.
Laut der Moscow Times, die von Onet zitiert wird, sind mehrere kremlnahe Kommentatoren der Ansicht, dass die Aufnahmen der Ukraine dabei helfen könnten, den Erfolg der Angriffe zu bewerten.
Aus ihrer Sicht sollten die Behörden daher gegen diejenigen vorgehen, die solches Material veröffentlichen.
Die Debatte folgt auf den größten Drohnenangriff auf Moskau seit Beginn des Krieges. Nach Angaben der Behörden wurden im Gebiet rund um die russische Hauptstadt nahezu 200 Drohnen abgefangen.
Forderungen nach Bestrafung
Der TV-Moderator Armen Gasparjan gehörte zu denjenigen, die besonders heftig reagierten. Er schlug vor, dass die Behörden technische Mittel einsetzen sollten, um die Personen hinter den Aufnahmen zu identifizieren und ihre Rolle genauer zu untersuchen.
Seiner Ansicht nach verbreiteten sich die Aufnahmen schnell über die Grenzen Russlands hinaus und könnten von ukrainischen Akteuren genutzt werden. Laut der Moscow Times forderte er zudem harte Verhörmethoden.
Auch der Fernsehmoderator Wladimir Solowjow verlangte Konsequenzen für jene, die Aufnahmen der Angriffe filmten und verbreiteten.
Solowjow argumentierte, dass die Verbreitung solcher Aufnahmen schwerwiegende rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen sollte.
Lob für die Luftverteidigung
Gleichzeitig haben mehrere Kriegsberichterstatter und Militärblogger die Leistungen der russischen Luftverteidigung hervorgehoben. Im Mittelpunkt stand die Zahl der Drohnen, die abgefangen wurden, bevor sie ihre Ziele erreichten.
Kommentatoren mit engen Verbindungen zum russischen Militär beschreiben die Luftverteidigung als zunehmend effektiv, obwohl einige Drohnen Ziele in und um Moskau trafen. Mehrere Kommentatoren betonten, dass das Ausmaß des Angriffs ungewöhnlich groß gewesen sei.
Moskaus Bürgermeister Sergej Sobjanin erklärte laut der Moscow Times, dass die Luftverteidigung im Gebiet rund um die Hauptstadt 194 Drohnen entdeckt und abgeschossen habe.
Die Behörden teilten mit, dass eine Ölraffinerie getroffen wurde. Zudem brachen durch herabfallende Trümmerteile an mehreren Gebäuden Brände aus. Insgesamt wurden 17 Menschen verletzt, darunter zwei Kinder.
Drohnen spielen eine zentrale Rolle
Der Angriff auf Moskau ist Teil einer breiteren Entwicklung, bei der die Ukraine zunehmend Drohnen einsetzt, um Ziele tief im russischen Staatsgebiet anzugreifen.
Wir berichteten bereits über einen Vorfall Anfang Juni, bei dem unter anderem ein Ölterminal in St. Petersburg sowie eine Militärfabrik in der Region Tambow angegriffen wurden.
Gleichzeitig hat der Drohnenkrieg deutlich an Umfang gewonnen. Sowohl Russland als auch die Ukraine setzen zunehmend unbemannte Luftfahrzeuge ein, um Angriffe weit entfernt von der Frontlinie durchzuführen.
Mehrere Experten weisen darauf hin, dass Videos von Angriffen nachrichtendienstlichen Wert haben können, was die heftigen Reaktionen russischer Propagandisten erklären könnte.
Warum Aufnahmen von Angriffen wichtig sind
Die Reaktionen auf die geteilten Videos zeigen zudem, dass moderne Kriegsführung längst nicht mehr nur auf dem Schlachtfeld stattfindet.
Laut dem Magazin TIME sind Videos und Bilder aus dem Krieg zu einem wichtigen Instrument für Analysten im Bereich Open Source Intelligence (OSINT) geworden. Diese nutzen öffentlich zugängliches Material, um Ereignisse zu verifizieren, Angriffe zu kartieren und militärische Bewegungen zu analysieren.
Dies könnte erklären, warum die Veröffentlichung von Aufnahmen von Drohnenangriffen unter russischen Kommentatoren Besorgnis ausgelöst hat.
Quellen: The Moscow Times, Onet, TIME