Einfache Veränderungen der täglichen Gewohnheiten könnten ein realistischer Weg zu mehr Wohlbefinden sein. Im Mittelpunkt stehen wiederholte Anstrengungen, nicht perfekte Routinen.
Für Menschen, die selten ins Fitnessstudio gehen, weisen Forscher auf eine praktischere Frage hin: Wie oft lässt sich der Körper aus dem Stillstand herausholen?
BBC berichtet, dass Jo Blodgett, Senior Research Fellow am University College London, kurze Phasen körperlicher Anstrengung untersucht, die in den Alltag integriert werden.
Die Methode ist als „vigorous intermittent lifestyle physical activity“ (kurze intensive körperliche Aktivität im Alltag) bekannt, kurz VILPA.
Alltagsbewegungen können die Intensität erhöhen
VILPA bedeutet in der Regel, einer Tätigkeit, die ohnehin stattfindet, mehr Anstrengung hinzuzufügen – etwa einen Teil der Treppe zu Fuß zu gehen, bevor man den Aufzug nimmt, am Ende des Arbeitswegs zügiger zu gehen oder bei einem normalen Spaziergang das Tempo zu erhöhen.
„Es geht darum, Möglichkeiten im Alltag zu finden, die einen ein wenig mehr fordern“, sagte Blodgett der BBC.
Eine im British Journal of Sports Medicine veröffentlichte Studie untersuchte einen anderen Ansatz: lange Sitzphasen zu unterbrechen.
Fast 20.000 Erwachsene in den Vereinigten Staaten wurden über 21 Tage beobachtet, und mehr als 11.000 von ihnen legten alle 30, 60 oder 120 Minuten fünfminütige Gehpausen ein.
Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass kurze Spaziergänge die Stimmung verbesserten und Müdigkeit verringerten, ohne die Arbeitsleistung zu beeinträchtigen. Stündliche Pausen schienen das Muster zu sein, das sich am leichtesten beibehalten ließ.
Lange Sitzzeiten bleiben ein Problem
Die Frage ist nicht nur, ob jemand Sport treibt, sondern auch, wie viel Zeit des Tages in Inaktivität verbracht wird.
Die Forscher stellten fest, dass Erwachsene in wohlhabenden Ländern täglich elf bis zwölf Stunden sitzen, wodurch lange Zeiträume mit nur geringer körperlicher Belastung entstehen.
Kurze Phasen intensiver Anstrengung und geplante Gehpausen sind nicht identisch, doch beide stellen die Vorstellung infrage, dass gesundheitliche Vorteile ausschließlich durch formelles Training erzielt werden können.
Blodgett warnte davor, dass geplante Trainingseinheiten nicht alle Auswirkungen eines überwiegend sitzenden Lebensstils ausgleichen können:
„Dreißig Minuten im Fitnessstudio sind nur ein winziger Teil davon. Was ist mit den übrigen 23,5 Stunden?“
Emily McGrath, leitende Herzkrankenschwester bei der British Heart Foundation, sagte, die Ergebnisse sprächen für einfache Maßnahmen wie einen fünfminütigen Spaziergang pro Stunde, betonte jedoch zugleich, dass weitere Forschung notwendig sei.
Die Studie stützte sich auf selbstberichtete Daten und lief nur über drei Wochen, sodass die langfristigen Auswirkungen auf die Herzgesundheit weiterhin unklar bleiben. Dennoch ist der Rat eindeutig: Unterbrechen Sie langes Sitzen, bauen Sie zusätzliche Anstrengung ein, wo immer es möglich ist, und bewegen Sie sich häufiger.
Quellen: BBC, British Journal of Sports Medicine.