Der russische Führer behauptete, seine Truppen hätten den größten Teil der Stadt Lyman eingenommen.
Wenn Militärkampagnen ins Stocken geraten, ist die Wahrheit meist das erste Opfer.
Angesichts des wachsenden Drucks auf dem Schlachtfeld verbreitet die russische Regierung eine dramatisch andere Darstellung gegenüber ihrer Öffentlichkeit. Doch Verteidigungsexperten entlarven diese Täuschung.
Ein perfektes Bild zeichnen
Der russische Präsident Wladimir Putin gab kürzlich ein Fernsehinterview, in dem er umfassende Siege in der Ukraine behauptete. Er zeichnete das Bild eines unerbittlichen, unaufhaltsamen Vormarsches.
Das in den USA ansässige Institute for the Study of War (ISW) überprüfte seine Behauptungen und befand sie als völlig realitätsfern. In einer scharfen Einschätzung warf der Thinktank dem Kreml vor, seine Misserfolge bewusst zu verbergen.
Der von WP zitierte ISW-Bericht kam zu dem Schluss, dass Putin „weiterhin stark übertriebene Behauptungen über russische Fortschritte aufstellt, die nicht die Realitäten auf dem Schlachtfeld widerspiegeln, um eine Erzählung von allgegenwärtigem russischen Militärerfolg aufzubauen.“
Die Zahlen im Detail
Der russische Führer behauptete, seine Truppen hätten den größten Teil der Stadt Lyman und 96 Prozent von Konstantynovka eingenommen. Diese Städte sind entscheidende Bestandteile der Donbas-Verteidigungslinie.
Doch die Daten erzählen eine völlig andere Geschichte. Das ISW stellte fest, dass russische Truppen lediglich in 4,3 Prozent von Lyman und etwa 37 Prozent von Konstantynovka präsent sind.
Putin behauptete zudem schnelle tägliche Fortschritte in der Region Saporischschja. Doch die amerikanischen Analysten schätzen, dass die Ukraine dort seit Anfang 2026 tatsächlich mehr als 400 Quadratkilometer befreit habe.
Und der gesamte russische Vormarsch verlangsamt sich drastisch. Experten berechneten, dass Moskau im Juni 2026 durchschnittlich 3,79 Quadratkilometer pro Tag erobert habe, ein massiver Rückgang gegenüber 16,65 Quadratkilometern pro Tag im August 2025.
Schäden verbergen
Es gibt einen klaren Grund für den plötzlichen Ausbruch fiktiver Siege. Analysten sagen, Moskau versuche verzweifelt, von einer brutalen Serie ukrainischer Drohnenangriffe abzulenken.
Jüngste ukrainische Angriffe legten die russische Treibstoffinfrastruktur erfolgreich lahm, was zu schweren Engpässen und Marktpanik führte. Im Juni trafen Drohnen sogar die Moskauer Raffinerie.
Experten des EUvsDisinfo-Projekts stellten ähnliche Taktiken fest. Sie wiesen darauf hin, dass russische Staatsmedien die Narrative rund um diese Angriffe aktiv verdrehten.
Als die Ukraine Militärbasen auf der Krim angriff, was eine massive Treibstoffkrise verursachte, verdrehten Kreml-Medien die Geschichte. Die EU-Analysten berichteten, dass russische Medien fälschlicherweise behaupteten, die Angriffe hätten Zivilisten gegolten, um die NATO in den Kampf zu ziehen.
Die Strategie ist klar. Wenn das Schlachtfeld stagniert, läuft die Propagandamaschine auf Hochtouren.
Quellen: ISW, EUvsDisinfo