Die Krise in Russland scheint von Tag zu Tag zu wachsen.
Der Kreml hat soeben einen drastischen Schritt unternommen, indem er alle Dieseltreibstoffexporte gestoppt hat, um die heimische Versorgung zu schützen.
Bis Mittwoch hatte das Land ein vollständiges Exportverbot verhängt, nachdem seine Energieinfrastruktur eine Reihe verheerender Rückschläge erlitten hatte. Vizepremierminister Alexander Nowak gab dies während einer von Wladimir Putin geleiteten Regierungssitzung bekannt.
Die Lage entwickelt sich rasch. Einem Bericht von Meduza zufolge wird das Land noch in diesem Monat damit beginnen, Treibstoff von seinen Nachbarstaaten zu importieren.
Nowak räumte während der Übertragung offen die wachsende Besorgnis in der Bevölkerung ein. „Die aktuelle Situation an den Tankstellen bereitet den Menschen Sorgen. Um die anstehenden Herausforderungen zu bewältigen und die Lage zu stabilisieren, ergreift die Regierung weiterhin zusätzliche Maßnahmen“, sagte er.
Raffinerien unter Beschuss
Die Ursache der Krise liegt in einer Welle erfolgreicher ukrainischer Drohnenangriffe auf große russische Ölraffinerien, die Berichten zufolge rund ein Viertel der gesamten russischen Raffineriekapazität außer Gefecht gesetzt haben.
Die Moskauer Raffinerie wurde schwer getroffen. Sie lieferte zuvor 40 Prozent des in der Hauptstadtregion verbrauchten Kraftstoffs. Gleichzeitig verschärfen westliche Sanktionen die Lage, indem sie die für Reparaturen benötigten Hightech-Komponenten blockieren.
Offizielle Beschränkungen begrenzen den Kraftstoffkauf nun auf lediglich 20 Liter pro Fahrzeug. Während lokale Berichte besagen, dass dies für 20 Regionen gilt, berichtete Meduza, ukrainischen Schätzungen zufolge erstrecke sich der tatsächliche Mangel auf 60 Provinzen.
Um Unruhen zu verhindern, gibt der Kreml monatlich 200 Milliarden Rubel, oder etwa 3 Milliarden US-Dollar, aus, um die Kraftstoffpreise künstlich niedrig zu halten. Dennoch haben sich die Schwarzmarktpreise verdreifacht.
Absenkung der Standards
Verzweifelte Zeiten erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Moskau hat seine Umweltstandards für Kraftstoffe offiziell von Euro 5 auf Euro 3 gesenkt und bemüht sich gleichzeitig um Treibstofflieferungen aus Belarus und Kasachstan.
Doch der Treibstofftransport über Grenzen hinweg wird zunehmend schwieriger. Am selben Tag, an dem das Verbot in Kraft trat, verhängte Kasachstan strenge neue Beschränkungen für einfahrende Lastkraftwagen. Diese dürfen nun nur noch einmal pro Tag einreisen.