Einige Ladenbesitzer bitten ihre Kunden inzwischen sogar, auf die Zahlung mit Kreditkarte zu verzichten.
Die meisten Menschen tragen heute nur noch selten Bargeld bei sich und verlassen sich stattdessen auf die schnelle Zahlung mit Karte oder Smartphone.
Doch wenn die digitalen Netzwerke, die die moderne Gesellschaft am Laufen halten, ins Wanken geraten, kehren alte Gewohnheiten zurück. Und zwar schnell.
Ein plötzlicher Wandel im Verbraucherverhalten kann rasch offenlegen, wie fragil die Annehmlichkeiten des modernen Alltags tatsächlich sind.
Zurück zum Bargeld
Verbraucher in ganz Russland kehren ihren digitalen Geldbörsen zunehmend den Rücken und greifen wieder zu klassischen Banknoten.
Seit Anfang 2026 hat die russische Zentralbank zusätzliches Bargeld im Wert von 14,8 Milliarden Pfund in Umlauf gebracht, um der plötzlich gestiegenen Nachfrage gerecht zu werden.
Laut der BBC handelt es sich dabei um den größten Anstieg des Bargeldumlaufs, den das Land jemals außerhalb der chaotischen Jahre der COVID-19-Pandemie erlebt hat.
Lokale Experten weisen darauf hin, dass die massive Ausweitung des Bargeldumlaufs einen deutlichen Vertrauensverlust der Bevölkerung in das Finanzsystem widerspiegelt.
Die plötzliche Rückkehr zum Bargeld steht in direktem Zusammenhang mit dem anhaltenden Konflikt. Da ukrainische Drohnen regelmäßig Ölanlagen tief im russischen Staatsgebiet angreifen, schalten die lokalen Behörden zunehmend die mobilen Internetnetze ab, um die Navigation feindlicher Drohnen zu stören.
Diese Sicherheitsabschaltungen setzen jedoch auch Kartenterminals im Einzelhandel außer Betrieb, sodass gewöhnliche Kunden an der Kasse plötzlich nicht mehr bezahlen können.
Dem Fiskus entgehen
Neue Finanzvorschriften verändern ebenfalls die Art und Weise, wie Menschen bezahlen. Im Januar erhöhte der Kreml den landesweiten Mehrwertsteuersatz von 20 auf 22 Prozent.
Gleichzeitig senkten die Behörden die Einkommensgrenze, ab der kleine und mittlere Unternehmen zur Zahlung der Steuer verpflichtet sind.
Um dem finanziellen Druck standzuhalten, fordern viele Ladenbesitzer ihre Kunden inzwischen aktiv dazu auf, mit Bargeld zu bezahlen. Medienberichten zufolge ermöglicht ihnen dies, ihre tatsächlichen Einnahmen zu verschleiern und der hohen neuen Steuerlast zu entgehen.
Düstere Aussichten
Diese wachsende Unsicherheit im Inland wird durch düstere Wirtschaftsdaten untermauert. Das russische Wirtschaftsministerium hat seine Wachstumsprognose für das laufende Jahr kürzlich deutlich gesenkt.
Beobachter verweisen auf eine toxische Mischung aus sinkenden Öleinnahmen, hoher Inflation und enormen Militärausgaben, die in mehreren Regionen bereits zu Kraftstoffknappheit und Rationierungen geführt hat.