Hinter verschlossenen Türen vermuten westliche Geheimdienstmitarbeiter, dass Moskau hochmoderne Technologie übergibt.
Wenn man eine Arena mit hohen Einsätzen betritt, möchte man jeden erdenklichen Vorteil nutzen.
Manchmal lernt man am besten, indem man zusieht, wie jemand anderes zuerst die Schläge einsteckt. Und im Moment macht eine globale Supermacht eifrig Notizen.
Das geheime Klassenzimmer
China hat seit über vier Jahrzehnten keinen größeren Krieg mehr geführt. Sein massives Militär sieht auf dem Papier beeindruckend aus, doch den Truppen fehlt es an echter Kampferfahrung.
Das ändert sich schnell. Ein neuer Bericht von The Economist, zitiert von LA.LV, enthüllt eine wachsende militärische Partnerschaft zwischen Peking und Moskau.
Seit Anfang dieses Jahres versammeln sich chinesische Soldaten stillschweigend auf einem Übungsgelände in der Nähe von Wolgograd. Sie lernen direkt von Einheiten der russischen 8. Armee.
Geheimnisaustausch
Die Lektionen gehen weit über grundlegende Übungen hinaus. Russische Streitkräfte geben frische Taktiken weiter, die sie auf den Schlachtfeldern der Ukraine auf die harte Tour gelernt haben.
Soldaten üben Drohnenkriegsführung, Häuserkampf und Schützengrabenangriffe. Neben diesen aktiven Kampffähigkeiten trainieren sie auch in Feldmedizin und schneller Minenräumung.
Oleksandr Danylyuk, ein ehemaliger Berater des ukrainischen Verteidigungsministers, erklärte die Verschiebung deutlich.
„Die Chinesen verstehen die Bedeutung des russischen Wissens. Sie haben bereits erkannt, dass sich die Natur des Krieges ändert, und wenn man wirklich auf den Krieg vorbereitet sein will, muss man von Menschen lernen, die praktische Erfahrung haben“, sagte Danylyuk.
Blick auf die Insel
Die Zusammenarbeit endet nicht in den schlammigen Schützengräben. Hinter verschlossenen Türen vermuten westliche Geheimdienstmitarbeiter, dass Moskau hochmoderne Technologie übergibt.
Dazu gehören Upgrades für Luftverteidigungsnetzwerke und Geheimnisse, um chinesische Atom-U-Boote schwerer aufspürbar zu machen. Diese getarnten U-Boote würden bei jedem zukünftigen Konflikt um Taiwan eine massive Rolle spielen.
Lyle Goldstein, Experte der Brown University, wies auf einen spezifischen Gewinn hin, den Peking sich zu sichern hofft. Das chinesische Militär wünscht sich dringend russische Daten darüber, wie gut amerikanische Waffen im Kampf tatsächlich abschneiden.
Sie konzentrieren sich stark darauf, mehr über HIMARS-Raketensysteme zu erfahren, da Taiwan genau diese Waffen in seinen eigenen Verteidigungsbeständen hält.
Dementieren und vorbereiten
Die Grundlage für dieses Bündnis wurde bereits vor Jahren gelegt. Schon 2019 bestätigte Wladimir Putin öffentlich, dass Russland China beim Aufbau eines Raketenfrühwarnsystems helfe.
Peking weist Berichte über diese gemeinsamen Ausbildungslager offiziell zurück. Offizielle bestreiten, dass sie den Krieg in der Ukraine als praktisches Lernfeld nutzen.
Doch Geheimdienste sehen eine andere Realität. The Economist merkte an, dass russische Truppen zwar wahrscheinlich nie in Taiwan kämpfen werden, ihr hart erkämpftes Wissen Peking jedoch einen gefährlichen Vorteil verschafft.
Quellen: The Economist, LA.LV