Während Wladimir Putin die Staatsgeschäfte führt, kämpfen die Anwohner mit einer schweren Umweltkatastrophe.
Wenn eine Nation all ihre Energie und Ressourcen auf außenpolitische Ambitionen konzentriert, beginnt die alltägliche Infrastruktur im eigenen Land oft zu zerfallen.
Für Tausende Bürger in einer Großstadt ist diese Realität nun direkt durch ihre Wasserleitungen eingetreten. Die Lage hat sich rasch zu einem gefährlichen Notfall entwickelt.
Eine üble Entdeckung
Die sich in der Region Tjumen zuspitzende Krise bereitet der russischen Regierung massive Kopfschmerzen. Während Wladimir Putin die Staatsgeschäfte führt, kämpfen die Anwohner mit einer schweren Umweltkatastrophe.
Mitte Juni bemerkten Anwohner, wie tote Fische im Tura-Fluss trieben. Laut der Regionalzeitung „Our City“ wurden die Fische entlang des Ufers und in nahegelegenen Seen angespült.
Ende Juli breitete sich ein stechender Geruch an den Flussufern aus. Der Wasserstand stieg gefährlich nahe an die Hochwassermarke, und die Situation verlagerte sich schnell vom Fluss in die Haushalte der Menschen, wie Meduza unter Berufung auf Onet berichtete.
Schlamm spuckende Wasserhähne
Bürger dokumentierten den erschreckenden Zustand ihres Leitungswassers sofort in den sozialen Medien. Das Magazin „Wieter“ fing die Frustration eines Anwohners aus Tjumen ein, der versuchte, grundlegende Hygiene aufrechtzuerhalten.
„Der Wasserhahn spuckt Schlamm, der nicht nur ungenießbar ist, sondern mit dem man sich auch nicht reinigen kann“, sagte der Anwohner gegenüber „Wieter“. Er fügte hinzu, dass Kleidung und Geschirr selbst nach dem Waschen faulig rochen.
Andere Anwohner berichteten von ähnlich beunruhigenden Erlebnissen. Ein Bewohner erzählte dem lokalen Medium 72.ru, dass seine Waschmaschine nach verfaultem Seetang roch, während ein anderer behauptete, das Duschwasser stinke nach einem Sumpf, gemischt mit Kerosin.
Schuldzuweisungen
Die Behörden versuchten zunächst fieberhaft, das massive Fischsterben zu erklären. Sie machten Rekordniederschläge dafür verantwortlich, dass Erde in den Fluss gespült worden sei, was angeblich den Sauerstoffgehalt reduziert habe, so Meduza.
Staatliche Gesundheitsbeamte versuchten zudem, die Bedrohung durch das häusliche Wasser herunterzuspielen. Am 20. Juli behauptete die Verbraucherschutzbehörde Rospotrebnadzor, tägliche Labortests hätten bewiesen, dass das Leitungswasser den Sicherheitsstandards entspreche.
Doch die offizielle Darstellung brach nur drei Tage später zusammen. Dieselbe Behörde gab stillschweigend eine Warnung heraus und riet allen Anwohnern, auf Flaschenwasser umzusteigen oder ihr Leitungswasser vor Gebrauch abzukochen, wie Meduza berichtete.
Strafrechtliche Ermittlungen eingeleitet
Die plötzliche Kehrtwende schürte die öffentliche Wut nur noch weiter. Infektiologen warnten vor dem Schwimmen im Fluss und nannten Risiken wie Hepatitis A und Darminfektionen.
Anwohner machten das kontaminierte Wasser zunehmend für jüngste Fälle von Bindehautentzündungen und Magenproblemen verantwortlich. Der wachsende öffentliche Druck zwang Moskau schließlich zum Eingreifen.
Am 24. Juli eröffnete das russische Ermittlungskomitee offiziell ein Strafverfahren wegen der Sicherheitsverstöße. Der Vorsitzende Alexander Bastrykin forderte regelmäßige Aktualisierungen, was zeigt, dass der Kreml das Chaos im eigenen Land nicht länger ignorieren kann.
Quellen: Meduza, „Our City“, „Wieter“, 72.ru