Die Geburtenzahlen in England und Wales gehen zurück, während das Durchschnittsalter der registrierten Eltern weiter steigt. Forschende untersuchen zudem die finanziellen, medizinischen und sozialen Bedingungen, die die frühe Mutterschaft prägen.
Die vorläufige zusammengefasste Geburtenziffer in England und Wales sank 2025 auf 1,39 Kinder pro Frau, nach 1,41 im Jahr 2024, wie das Office for National Statistics mitteilte. Die endgültigen Zahlen werden im weiteren Verlauf des Jahres 2026 erwartet.
Eine niedrigere Geburtenrate kann sich auf die künftige Größe der Erwerbsbevölkerung, die Finanzierung der Renten und die Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen auswirken. Sie hat jedoch keine einzelne Ursache, und die Erfahrungen von Müttern bilden nur einen Teil eines wesentlich umfassenderen demografischen Gesamtbildes.
Die britische Denkfabrik Theos untersuchte diese Erfahrungen in dem am 19. Juli 2026 veröffentlichten Bericht Motherhood, Inside Out. Die qualitative Studie umfasste Interviews und Fokusgruppen mit 91 Müttern sowie Gespräche mit 14 Fachkräften aus der Geburtshilfe und Mütterversorgung.
Lucy Jones, die das Vorwort des Berichts verfasste, argumentiert in einem Kommentar im The Guardian, dass politische Debatten über sinkende Geburtenraten den Erfahrungen von Müttern häufig zu wenig Aufmerksamkeit widmen.
Mütter schildern finanzielle Belastungen
Die von Theos befragten Teilnehmerinnen berichteten über Kinderbetreuungskosten, ihre Haushaltsfinanzen und Veränderungen in ihrem Arbeitsleben nach der Geburt ihrer Kinder. Mehrere hatten den Eindruck, dass sich ihre Verantwortung oder ihr Einfluss am Arbeitsplatz verändert habe, während unbezahlte Sorgearbeit weniger Anerkennung erfahre als bezahlte Erwerbsarbeit.
Ab dem 5. April 2026 können anspruchsberechtigte Beschäftigte über das britische System des gesetzlichen Mutterschaftsgeldes (Statutory Maternity Pay) bis zu 39 Wochen lang Leistungen erhalten. In den ersten sechs Wochen werden 90 Prozent des durchschnittlichen Wochenverdienstes gezahlt. In den folgenden 33 Wochen erhalten die Anspruchsberechtigten 194,32 Pfund pro Woche oder 90 Prozent ihres Verdienstes – je nachdem, welcher Betrag niedriger ist.
Die Ergebnisse belegen nicht, dass das Mutterschaftsgeld den Rückgang der Geburtenrate verursacht. Sie verdeutlichen jedoch, wie finanzieller Druck, berufliche Unsicherheit und Betreuungsverpflichtungen die Erfahrungen von Frauen beim Übergang zur Mutterschaft prägen können.
Die Betreuung nach der Geburt bleibt uneinheitlich
Die Mütter berichteten von unterschiedlichen Erfahrungen mit der medizinischen Versorgung nach der Entbindung. Einige erhielten eine aufmerksame Betreuung, während andere von hastigen Terminen und mangelnder Aufmerksamkeit für ihre körperliche oder seelische Erholung berichteten.
Eine Teilnehmerin der Studie Motherhood, Inside Out sagte: „Man hört irgendwie auf, als Person zu existieren, und wird einfach nur Mutter.“
Theos fordert eine verlässlichere persönliche Betreuung sowie eine bessere Unterstützung nach der Geburt. Der Bericht befasst sich außerdem mit der Matreszenz – dem körperlichen, psychologischen und sozialen Prozess des Mutterwerdens.
Das standardisierte Durchschnittsalter der bei Geburten registrierten Eltern lag 2024 bei 31,0 Jahren für Mütter und 33,9 Jahren für Väter.
Jones vertritt die Ansicht, dass die geringe Sichtbarkeit von Müttern ein umfassenderes kulturelles und politisches Problem widerspiegele. Die Ergebnisse von Theos sind enger gefasst und dokumentieren vor allem Probleme im Zusammenhang mit der Gesundheitsversorgung, der Beschäftigung und der sozialen Unterstützung.
Quellen: Theos, Motherhood, Inside Out (19. Juli 2026); Lucy Jones, The Guardian (27. Juli 2026); Office for National Statistics