Nächste Woche wird der Krieg seit vier Jahren andauern.
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Die Liste der Bedürfnisse der Ukraine im Jahr 2026 ließe sich fortsetzen, denn der Kampf gegen die russische Invasion wird nächste Woche seit vier Jahren andauern.
Laut einem aktuellen Bericht des Kiel Instituts ist die militärische Unterstützung der USA für die Ukraine im Jahr 2025 nahezu auf null gesunken. Die europäischen Verbündeten hingegen haben ihre Unterstützung erhöht.
Doch selbst wenn Europa seine Hilfe weiter ausweitet und die USA ihre Militärhilfe für die Ukraine wieder aufnehmen, bleibt eines der größten Bedürfnisse des Landes genau das, was der Westen nicht liefern kann.
Personal.
Massive Verluste auf beiden Seiten
Ende Januar 2026 veröffentlichte das Center for Strategic and International Studies eine Analyse, wonach Russland seit Beginn des Krieges nahezu 1,2 Millionen Verluste erlitten hat.
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Der gleichen Analyse zufolge liegt das Verhältnis russischer zu ukrainischer Verluste zwischen 2:1 und 2,5:1, was bedeutet, dass die Ukraine in den fast vier Jahren der Kämpfe wahrscheinlich zwischen 500.000 und 600.000 Verluste erlitten hat.
Das mag so erscheinen, als seien die Zahlen zugunsten der Ukraine, doch während Russland es sich leisten kann, Soldaten einzusetzen – so unmenschlich diese Strategie auch sein mag –, könnten die Folgen von Personalmangel für die Ukraine katastrophal sein.
Zum Vergleich: Im Jahr 2020 betrug die russische Bevölkerung laut Worldometers etwa 146 Millionen.
Die ukrainische Bevölkerung belief sich im Jahr 2020 laut Worldometers auf etwa 44,5 Millionen.
Strategische Verwundbarkeit
Am 15. Januar 2026 kam das Tactics Institute for Security & Counter Terrorism zu dem Schluss, dass jahrelange Abnutzungskämpfe in Verbindung mit schwindender Moral zu einer strategischen Verwundbarkeit für das vom Krieg gezeichnete Land werden.
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Der Einschätzung zufolge werden derzeit zwei Millionen ukrainische Staatsbürger wegen Wehrdienstentziehung gesucht, wobei diese Zahl nach Angaben der Forscher eher politisch aufgeladen als faktisch belegt erscheint.
Der Bericht weist darauf hin, dass derzeit 200.000 ukrainische Soldaten als AWOL gemeldet sind, was die operativen Probleme weiter verschärft.
Weitreichender Mangel an Infanterie
Im August 2025 zitierte The Defense Post einen Vertreter der ukrainischen Streitkräfte mit der Aussage, dass sich seit Beginn des Krieges mehr als 8.000 Ausländer den ukrainischen Verteidigungskräften angeschlossen hätten. Doch selbst mit ausländischen Freiwilligen steht die ukrainische Verteidigung unter Druck.
Am 3. Februar 2026 zitierte CNN Rob Lee vom Foreign Policy Research Institute, der schätzte, dass die meisten ukrainischen Brigaden zu höchstens 10 Prozent aus Infanterie bestehen – nur ein Drittel dessen, was traditionell zu erwarten wäre.
Zudem stellte Lee fest, dass es weniger als zehn ukrainische Infanteriesoldaten pro Kilometer Frontlinie gibt.
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Im August 2025 berichtete Radio Free Europe/Radio Liberty, dass das ukrainische Militär begonnen habe, monatliche Gehälter von über 2.900 US-Dollar anzubieten, um Männer unter 25 Jahren zur freiwilligen Meldung zum Militärdienst zu bewegen.
Dies ist notwendig, da das Einberufungsalter in der Ukraine bei 25 Jahren liegt und im April 2024 von zuvor 27 Jahren gesenkt wurde.
Russlands rote Linie
Ende Dezember stellte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj einen von den USA unterstützten 20-Punkte-Entwurf für einen Friedensplan vor, der westliche Sicherheitsgarantien für die Ukraine im Falle eines Friedensabkommens vorsieht.
Nach Angaben der Kyiv Independent würde es sich bei den Garantien um einen „Artikel-5-ähnlichen“ Plan handeln, im Rahmen dessen die USA, die NATO und die EU Sicherheitszusagen für die Ukraine übernehmen würden.
Artikel 5 bezieht sich auf den sogenannten „Musketier-Eid“ der NATO, wonach ein Angriff auf ein Mitglied als Angriff auf alle gilt und eine gemeinsame Reaktion auslöst.
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Die Uhr tickt
Obwohl die Ukraine sich als widerstandsfähig in ihrer Verteidigung erwiesen hat, arbeitet die Zeit derzeit zugunsten Russlands – nicht unbedingt, weil Moskau auf dem Schlachtfeld die strategische Oberhand hat, sondern weil der Ukraine deutlich früher als Russland die Soldaten ausgehen könnten.
Der Westen kann die Ukraine mit so viel Hilfe wie möglich versorgen, doch Raketen und Munition werden keinen Unterschied machen, wenn niemand da ist, der den Abzug betätigt.
Quellen: Kiel Institut, Center for Strategic & International Studies, CNN, Worldometers, Interfax, Tactics Institute for Security & Counter Terrorism, The Defense Post, The Kyiv Independent, Deutsche Welle, Institute for the Study of War, TASS