Ein einziges gewaltsames Ereignis kann den Lauf der Weltgeschichte leicht verändern. Vor einem Vierteljahrhundert änderte sich die Welt über Nacht und löste jahrzehntelange Konflikte und militärischen Aktionen aus. Doch der Drahtzieher hinter all dem erreichte nie wirklich, was er wollte.
Osama bin Laden wartete in einem geparkten Fahrzeug in Afghanistan. Es war der 11. September. Während schockierte Radiomoderatoren die Angriffe in New York und Washington detailliert beschrieben, hörte er einfach zu.
Fast unmittelbar darauf startete Präsident George W. Bush eine umfassende militärische Reaktion. Laut The Guardian führte diese globale Kampagne zu Invasionen und formte den gesamten Nahen Osten neu.
Viele Menschen glauben, der Terrorführer habe genau diese Falle geplant. Die populäre Theorie besagt, er habe amerikanische Truppen in nicht zu gewinnende Kriege ziehen wollen, um das Land finanziell auszubluten.
Doch historische Beweise deuten in eine andere Richtung.
Das Ziel verfehlt
Der Terrorchef erwartete nie wirklich eine massive Bodeninvasion. Sein Team stellte sich auf Vergeltungsschläge mit Raketen ein, doch es hatte absolut keinen Plan für Tausende ankommender ausländischer Soldaten.
Seine wahre Strategie war viel einfacher. Er wollte die amerikanische Wirtschaft gerade so weit ausbluten lassen, dass ausländische Truppen aus dem Nahen Osten abgezogen werden mussten.
Dieses Ziel scheiterte vollständig. Die Vereinigten Staaten blieben fest in der Region verankert, und al-Qaida verübte nie wieder einen größeren Anschlag auf amerikanischem Boden.
Bin Laden hoffte auch, regionale Führer, die er zutiefst hasste, zu stürzen, insbesondere die saudische Königsfamilie.
Die Unterstützung verloren
Diktatoren wie Saddam Hussein und Muammar Gaddafi fielen schließlich. Doch, so schreibt The Guardian, diese Regime brachen aufgrund westlicher Aktionen oder lokaler Rebellen zusammen. Al-Qaida spielte dabei keine Rolle.
Auch der Propagandakrieg entglitt ihm.
Bin Laden konzipierte die Anschläge von 2001, um einen massiven globalen Aufstand auszulösen. Stattdessen sah sich seine Gruppe mit heftigem Gegenwind aus der islamischen Welt konfrontiert, weil sie unzählige unschuldige Muslime getötet hatte.
Seine Nachfolger gaben den Traum von einer globalen Revolution schließlich auf. Sie zogen sich in lokale Konflikte zurück.
Rückzug in den Schatten
Heute sieht die Landschaft des Extremismus völlig anders aus.
Große Terrornetzwerke haben sich weitgehend nach Subsahara-Afrika verlagert. Sie nutzen lokale Anarchie und Ressourcenknappheit aus, anstatt spektakuläre globale Anschläge zu planen.
Die Ära des charismatischen Terrorführers ist vorbei. Die amerikanische Geheimdienstüberwachung verfolgt hochrangige Ziele zu genau, als dass jemand sicher eine sichtbare weltweite Bewegung anführen könnte.
Al-Qaida existiert technisch gesehen noch heute. Doch das bloße Überleben im Verborgenen ist weit entfernt von dem großen Sieg, den ihr Gründer sich einst vorstellte.
Quellen: The Guardian