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Bierland Deutschland denkt um: Der Durst schwindet

Beer, Bier, Øl
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Der Bierabsatz bricht 2025 drastisch ein.

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Der Biermarkt in Deutschland befindet sich im Umbruch. Was lange als Konstante galt, verliert spürbar an Bedeutung. Hinter den nüchternen Zahlen stehen veränderte Lebensstile, politische Debatten und neue Strategien der Branche.

Wandel der Trinkkultur

Der rückläufige Bierkonsum passt nach Einschätzung von Experten zu einem breiteren gesellschaftlichen Trend. Der Bundesbeauftragte für Sucht- und Drogenfragen, Hendrik Streeck, sieht vor allem bei jungen Menschen einen bewussteren Umgang mit Alkohol.

„Gerade bei vielen jüngeren Menschen sehen wir einen bewussteren Umgang mit Gesundheit. Alkohol spielt für einen wachsenden Teil keine oder nur noch eine untergeordnete Rolle“, sagte er, wie die Deutsche Presse-Agentur (dpa) berichtet, deren Meldung Die Zeit unverändert veröffentlichte.

Aus medizinischer Sicht sei diese Entwicklung positiv. „Alkohol ist kein harmloses Genussmittel, sondern kann eine Vielzahl schwerer Erkrankungen auslösen – von Krebs bis hin zu Herz-Kreislauf-Problemen“, erklärte Streeck.

Gleichzeitig warnt er vor einer kleineren Gruppe junger Menschen mit weiterhin hohem Alkoholkonsum. „Das ist ein echtes Problem“, sagte Streeck mit Blick auf mögliche langfristige Schäden, insbesondere für die neurologische Entwicklung.

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Politische Debatten

Der gesellschaftliche Wandel hat auch politische Konsequenzen. Streeck fordert, das sogenannte begleitete Trinken abzuschaffen. Alkohol sei gerade für Heranwachsende ein Gesundheitsrisiko.

Der Bundesrat griff diese Debatte bereits im September 2025 auf. Auf Initiative mehrerer Länder forderte er die Bundesregierung auf, die Ausnahmeregelung im Jugendschutzgesetz zu streichen, die Alkoholkonsum ab 14 Jahren in Begleitung einer sorgeberechtigten Person erlaubt.

Zahlen zum Absatz

Wie aus Daten des Statistischen Bundesamtes hervorgeht, über die die Tagesschau berichtet, sank der Bierabsatz 2025 um 6,0 Prozent auf rund 7,8 Milliarden Liter. Damit fiel der Wert erstmals unter die Marke von acht Milliarden Litern.

Der Rückgang setzt einen langfristigen Trend fort. Vor zehn Jahren lag der Absatz noch fast zwei Milliarden Liter höher. Rund 82,5 Prozent des verkauften Bieres entfielen auf den Inlandsmarkt, wo der Absatz um 5,8 Prozent zurückging.

Auch Biermischgetränke verloren an Bedeutung. Ihr Absatz sank im Jahresvergleich um 5,2 Prozent auf 402 Millionen Liter.

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Reaktionen der Branche

Nach Einschätzung des Deutschen Brauerbundes spielen neben veränderten Trinkgewohnheiten auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Hauptgeschäftsführer Holger Eichele erklärte, die Konsumzurückhaltung treffe Brauereien ähnlich stark wie Handel und Gastronomie, wie die Tagesschau berichtet.

Nicht erfasst in der amtlichen Statistik sind alkoholfreie Biere. Der Brauerbund bezeichnet sie als am schnellsten wachsende Sorte im Markt. 2025 überschritten sie erstmals einen Umsatzanteil von zehn Prozent im Handel.

Großbrauereien wie Veltins und Krombacher bestätigten laut dpa den starken Rückgang beim Absatz alkoholhaltiger Biere und kündigten an, ihr Angebot an alkoholfreien Produkten weiter auszubauen.

Zum Ende zeigt sich, dass der Rückgang des Bierabsatzes mehr ist als eine konjunkturelle Delle. Er markiert eine Verschiebung in Gewohnheiten und Erwartungen, die den deutschen Biermarkt dauerhaft verändern dürfte.

Für Brauereien bedeutet das einen tiefgreifenden Anpassungsprozess. Ob sich der Trend verlangsamt oder weiter verstärkt, hängt weniger von kurzfristigen Preisen ab als von langfristigen Einstellungen zu Gesundheit, Konsum und Lebensstil.

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Quellen: dpa, Tagesschau