Ein aktueller Bericht des Bundeskriminalamts wirft ein komplexes Licht auf die Rolle von Geflüchteten in der Kriminalstatistik. Während einige Herkunftsgruppen überdurchschnittlich oft als Tatverdächtige registriert werden, steigt zugleich die Zahl der Fälle, in denen Zuwanderer selbst Opfer von Gewalt oder Hass werden. Forscher warnen vor einfachen Schlussfolgerungen aus diesen Daten.
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Nach Angaben von n-tv wurden 2024 mehr als 70.000 Geflüchtete Opfer einer Straftat – ein Zuwachs von 5,2 % gegenüber dem Vorjahr. Politisch motivierte Angriffe nahmen ebenfalls zu.
Das BKA bezeichnet als „Zuwanderer“ Personen, die sich als Asylsuchende, Schutzberechtigte, Kontingentflüchtlinge oder Geduldete in Deutschland aufhalten, wie die Zeit berichtet. Diese Gruppen gelten auch in der Opferstatistik als besonders verletzlich.
Die Entwicklung macht deutlich, dass Geflüchtete nicht nur im Kontext der öffentlichen Sicherheitsdebatte stehen, sondern häufig selbst Ziel strafbarer Handlungen sind.
Tatverdächtige im Hellfeld der Statistik
Das BKA registrierte 2024 laut Tagesschau rund 172.000 tatverdächtige Zuwanderer im Bereich der Allgemeinkriminalität. Damit entfielen 8,8 Prozent aller Verdächtigen auf diese Gruppe.
Das Lagebild erfasst ausschließlich Straftaten ohne politischen Hintergrund. Verstöße gegen das Ausländerrecht fehlen ebenso wie nicht angezeigte Delikte. WDR weist darauf hin, dass dieser Hellfeldcharakter die Aussagekraft der Statistik begrenzt.
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Zugleich sank die Zahl der tatverdächtigen Zuwanderer gegenüber 2023. Das BKA führt dies laut Spiegel teils auf die Cannabis-Teillegalisierung zurück, die viele frühere Rauschgiftdelikte aus der PKS herausfallen lässt.
Struktur prägt Risiko
Die Demografie der Geflüchteten unterscheidet sich stark von der Gesamtbevölkerung. Laut Spiegel sind junge Männer überrepräsentiert – eine Gruppe, die laut Kriminologie generell häufiger als tatverdächtig auffällt, unabhängig von Nationalität.
Laut Tagesschau fällt auf, dass einige kleinere Herkunftsgruppen überproportional in der Statistik erscheinen, während große Gruppen wie Ukrainer vergleichsweise selten als Verdächtige registriert werden.
Besonders ins Gewicht fallen Mehrfachtatverdächtige: n-tv zufolge entfällt ein Großteil der registrierten Delikte auf einen kleinen Kreis wiederholt auffälliger Personen. Überdurchschnittlich häufig stammen sie aus den Maghreb-Staaten, aus Libyen und aus Georgien – in diesen Herkunftsgruppen ist etwa jede zweite tatverdächtige Person mehrfach registriert.
Integrationskonflikte und Lösungen
Im WDR betont der Migrationsexperte Ahmad Mansour, „diejenigen, die sich nicht integrieren, sind meistens Menschen, die ein ganz anderes Wertesystem mitbringen und Schwierigkeiten haben, dieses Wertesystem in Frage zu stellen“. Er fordert verbindlichere Integrationsangebote und „einen Rechtsstaat, der konsequent selbstbewusst seine Werte vertritt“.
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Professorin Gina Rosa Wollinger nennt laut WDR kurze Asylverfahren, Zugang zu Arbeit, psychosoziale Hilfe und frühe Bildungsangebote als zentrale Faktoren, die das Risiko von Kriminalität mindern können.
Die Zahlen zeigen: Das Lagebild liefert Daten – ihre politische und gesellschaftliche Deutung bleibt Gegenstand weiterer Debatten.
Quellen: Die Zeit, n-tv, Spiegel, Tagesschau, WDR