Startseite Europa Nach zwei tödlichen Zugunfällen: Lokführer streiken in Spanien

Nach zwei tödlichen Zugunfällen: Lokführer streiken in Spanien

Nach zwei tödlichen Zugunfällen: Lokführer streiken in Spanien
Genrefoto: Presse-fotos.dk

Nach zwei tödlichen Zugunglücken steht Spaniens Bahnnetz unter massivem Druck. Lokführer reagieren mit einem landesweiten Streik und warnen vor systemischen Sicherheitsmängeln. Die Unfälle der vergangenen Tage gelten dabei als Auslöser, nicht als Einzelfälle.

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Die Lokführergewerkschaft Semaf rief am Mittwoch zu einem Generalstreik auf. Wie die spanische Zeitung Sur berichtet, fordern die Fahrer verbindliche Sicherheitsgarantien für Personal und Fahrgäste sowie eine sofortige Überprüfung der Infrastruktur.

Der Zustand des Netzes sei „unakzeptabel“, erklärte das Führungsgremium der Gewerkschaft.

Semaf kündigte zudem an, vor jedem Einsatz eine ausdrückliche Sicherheitsfreigabe zu verlangen. Fehle diese, würden Fahrten angepasst oder gestoppt.

Laut Sur will die Gewerkschaft außerdem juristische Schritte einleiten, um „strafrechtliche Verantwortung derjenigen, die für die Gewährleistung der Sicherheit der Eisenbahninfrastruktur zuständig sind“ einzufordern.

Wie El Pais berichtet, ist der Streik für den Zeitraum vom 9. bis 11. Februar geplant.

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Weitere Streiks möglich

Auch die Gewerkschaft CC OO erhöhte den Druck. Nach Angaben von Sur warnte sie vor eigenen Streiks, falls es keine „echte und wirksame Maßnahmen“ gebe.

Gefordert werden klare Protokolle, ausreichende Ressourcen und eine koordinierte Zusammenarbeit zwischen dem Zivilschutz, dem staatlichen Bahnunternehmen Renfe und dem staatlichen Infrastrukturbetreiber Adif.

Die Sicherheit der Beschäftigten könne „nicht im aktuellen Zustand bleiben“, erklärte CC OO. Es sei „unakzeptabel“, dass Bahnmitarbeiter ihre körperliche Unversehrtheit bei der Arbeit riskierten.

Adamuz als Wendepunkt

Auslöser der Eskalation war ein schweres Zugunglück nahe Adamuz in Andalusien. Am Sonntagabend kollidierten dort zwei Züge, mindestens 43 Menschen kamen ums Leben. Dutzende wurden verletzt. Ermittlungen zur Ursache laufen noch, wie Blick berichtet.

Besondere Aufmerksamkeit erhielt eine Tonaufnahme eines Telefonats zwischen dem Lokführer und der Leitstelle, über die El Pais berichtete. Zunächst sagte der Fahrer: „Hallo Leitstelle, hört mal, ich hatte gerade eine Panne in der Nähe von Adamuz“. Später folgte die Warnung: „Es gibt eine Entgleisung“.

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Die Antwort der Leitstelle lautete: „Ja, ja, ja … es kommt kein Zug an“. Nach Darstellung von Blick war zu diesem Zeitpunkt der entgegenkommende Zug bereits unterwegs.

Erneut Tote bei Barcelona

Nur wenige Tage später kam es in Katalonien zu einem weiteren tödlichen Unfall. Wie ZDFheute berichtet, prallte ein Nahverkehrszug nahe Gelida in Katalonien gegen eine eingestürzte Stützmauer. Der Lokführer starb, mindestens 37 Menschen wurden verletzt.

Der Unfall ereignete sich während des Sturms „Harry“. Der Nah- und Regionalverkehr in Katalonien wurde laut ZDFheute ausgesetzt, bis alle Schäden überprüft sind.

Quellen: Blick, El Pais, Sur, ZDFheute

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