Russische Blogger werben für Schengen-Umwege.
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Für viele russische Urlauber endet die Suche nach einem Europa-Trip heute nicht mehr bei offiziellen Konsulaten, sondern in sozialen Netzwerken. Dort versprechen Videos einfache Lösungen für komplizierte Regeln. Doch wer diesen Ratschlägen folgt, kann schnell mit Behörden in Konflikt geraten.
Gerade Finnland warnt inzwischen offen vor solchen Umwegen und verweist auf mögliche Konsequenzen bis hin zu Einreiseverboten.
Regeln und Realität
Grundsätzlich erlaubt das Schengen-Recht das Reisen innerhalb des Schengen-Raums ohne Grenzkontrollen an den Binnengrenzen. Ein Visum gilt formal für alle teilnehmenden Staaten.
Gleichzeitig schreibt das EU-Visakodex vor, dass das Visum für einen konkreten Reisezweck und ein Hauptziel erteilt wird.
Nach Darstellung des finnischen Rundfunks Yle prüfen Grenzbehörden daher, ob das tatsächliche Reiseverhalten mit dem beantragten Zweck übereinstimmt. Stimmt es nicht, kann ein Visum aufgehoben werden, auch wenn es formal gültig ist.
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Seit November stellt die EU russischen Antragstellern zudem fast ausschließlich Einmalvisa aus. Diese Praxis führt dazu, dass Reisen über mehrere Länder deutlich eingeschränkt werden.
Finnlands Sonderrolle
Finnland gehört zu den Staaten mit der härtesten Linie. Laut Yle vergibt das Land derzeit keinerlei Touristenvisa mehr an russische Staatsbürger. Begründet wird dies mit Sicherheitsbedenken und einer klaren politischen Haltung gegenüber Russland seit dem Angriff auf die Ukraine.
Katja Luopajärvi vom finnischen Außenministerium sagte Yle, es sei bedauerlich, wenn nationale Beschränkungen über andere Schengen-Staaten umgangen würden. Finnland drängt deshalb auf eine möglichst einheitliche Anwendung der EU-Regeln.
Digitale Umwege
In dieser Situation gewinnen Social-Media-Kanäle an Bedeutung. Yle berichtet, dass russische Reiseblogger gezielt Anleitungen veröffentlichen, wie man trotz nationaler Verbote bestimmte Länder erreichen könne.
Ein Beispiel ist der Moskauer Blogger Egor Groshev. In seinen Videos erklärt er, man könne gesperrte Länder erreichen, wenn man „von jedem anderen Schengen-Land aus“ weiterreise. Kontrollen fänden nur beim ersten Eintritt in den Schengen‑Raum statt.
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Warnungen der Behörden
Der finnische Grenzschutz widerspricht dieser Darstellung. Grenzsicherheitsexperte Seppo Häkkinen erklärte gegenüber Yle: „In diesem Fall sollte das Visum aufgehoben werden.“ Wer mit einem für Frankreich ausgestellten Kurzzeitvisum tatsächlich nach Finnland reise, riskiere zusätzlich ein Einreiseverbot für den gesamten Schengen-Raum.
Aus Sicht der Behörden zeigen die Videos eine gefährliche Vereinfachung. Online-Tipps könnten Orientierung geben, ersetzten aber keine rechtliche Prüfung. Für Reisende bedeutet das: Der scheinbar einfache Weg kann an der Grenze enden.
Quelle: Yle