Satellitenbilder zeigen russische Militäraktivierung.
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Entlang der Grenze zu Finnland verdichten sich Hinweise auf eine schrittweise militärische Neuaufstellung Russlands. Alte Standorte werden reaktiviert, neue Garnisonen geplant, während ein Großteil der Truppen weiterhin im Ukrainekrieg gebunden ist.
Finnische Sicherheitsexperten und Militäranalysten werten die Maßnahmen als langfristige Signale für Nordosteuropa.
Strategischer Randraum
Die Republik Karelien gilt seit Sowjetzeiten als sicherheitspolitischer Puffer im Nordwesten Russlands. Nach Einschätzung finnischer Militärexperten rückt die Region wieder stärker in den Fokus Moskaus.
Der finnische Rundfunk Yle berichtet, dass Russland seine militärische Infrastruktur nahe der Nato-Grenze systematisch erneuert. Der finnische Militärexperte Marko Eklund, sagt, dass das 2024 in der Republik Karelien aufgestellte neue 44. Armeekorps zusätzliche Unterkünfte und Übungsflächen benötige und bestehende Kasernen dafür nicht ausreichten.
Daraus ergibt sich der Eindruck, dass die Bau- und Modernisierungsmaßnahmen auf eine langfristige militärische Präsenz in Grenznähe ausgelegt sind.
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Rückkehr nach Petrosawodsk
Nach Recherchen von Yle wurde in Petrosawodsk ein Kasernengelände aus sowjetischer Zeit wieder aktiviert. Satellitenbilder zeigen gerodete Flächen und neu abgestellte Militärfahrzeuge auf einem Areal, das jahrelang weitgehend brachlag.
Eklund sagte Yle, die Anlage stehe vermutlich im Zusammenhang mit dem 2024 gegründeten 44. Armeekorps. Dieses soll langfristig rund 15.000 Soldaten umfassen.
Bislang seien nur kleinere Teile der neuen Einheiten vor Ort. Die sichtbaren Fahrzeuge deuteten laut Eklund vor allem auf Logistik- und Versorgungstruppen hin.
Ausbau mit ziviler Folge
Parallel zur Reaktivierung bestehender Standorte sind Neubauten geplant. Wie Yle berichtet, meldete das Regionalportal Karelinform, dass noch in diesem Jahr neue Kasernen in Petrosawodsk entstehen sollen.
Die Vorsitzende des Stadtparlaments, Nadeschda Dreizis, erklärte laut Karelinform: „Unserem Gebiet wurde eine verantwortungsvolle Aufgabe übertragen: der Vorposten unseres Landes an der Nato-Grenze zu sein.“
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Der karelische Regierungschef Artur Parfentschikow sagte dem staatlichen Regionalfernsehen, wie Yle berichtet, der Zuzug von Soldaten werde auch die Zivilbevölkerung wachsen lassen. „Es geht nicht nur um Soldaten, sondern auch um ihre Familien und Kinder“, sagte er.
Fortschritte im hohen Norden
Weiter nördlich, in Kandalakscha auf der Kola-Halbinsel, sind die Bauarbeiten bereits deutlich sichtbar. Yle hatte im Sommer berichtet, dass dort eine neue Militärstadt für zwei Brigaden entsteht.
Nach Angaben der Regionalverwaltung sollen rund zehn Gebäude errichtet werden. Der Standort liegt gut hundert Kilometer von der finnischen Grenze entfernt.
Ausbildung und Umwidmung
Da viele Kasernen in Karelien noch nicht einsatzbereit sind, werden Truppen laut Eklund vorübergehend auch im Raum Luga südlich von St. Petersburg ausgebildet. Dort sei im Herbst umfangreiches Gerät abgezogen worden, vermutlich für den Einsatz in der Ukraine.
Der finnische Militärgeheimdienst warnt, dass Russlands Fähigkeiten an der finnischen Grenze langfristig wachsen.
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Eklund weist jedoch darauf hin, dass das Tempo des Aufbaus begrenzt bleibt, solange der Krieg in der Ukraine andauert.
Insgesamt zeichnen die beobachteten Bauprojekte und Truppenbewegungen das Bild einer schrittweisen, langfristig angelegten militärischen Neuordnung im russischen Nordwesten.
Auch wenn der Ukrainekrieg Moskaus Handlungsspielraum derzeit einschränkt, deuten Umfang und Art der Maßnahmen darauf hin, dass Russland seine militärische Präsenz an der Grenze zu Finnland strukturell absichern will.
Für Nordeuropa bedeutet dies weniger eine unmittelbare Eskalation als vielmehr eine dauerhafte Veränderung des sicherheitspolitischen Umfelds, die politische und militärische Planung auf Jahre hinaus prägen dürfte.
Quelle: Yle, Karelinform