Ein Transplantationsfall sorgt in Italien für Aufsehen.
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Der Fall eines zweijährigen Jungen beschäftigt Politik, Justiz und Medizin in Italien gleichermaßen. Nach einer folgenschweren Herztransplantation stehen Vorwürfe im Raum.
Nun haben Spezialisten eine Entscheidung getroffen, die kaum noch Raum für Hoffnung lässt.
Nationale Debatte
Wie Reuters berichtet, hat der Vorfall eine breite Diskussion über Sicherheitsstandards bei Organtransporten ausgelöst. Staatsanwälte prüfen mögliche Fehler im Ablauf, sechs Mediziner stehen unter formeller Untersuchung.
Im Mittelpunkt steht ein Spenderherz, das im Dezember von Norditalien nach Neapel gebracht wurde. Nach Darstellung des Familienanwalts Francesco Petruzzi soll es während des rund achtstündigen Transports falsch gekühlt worden sein.
Demnach sei das Organ in Trockeneis statt in herkömmlichem Eis gelagert worden, wodurch es zu erheblichen Gewebeschäden gekommen sei. Außerdem habe eine Temperaturkontrolle gefehlt, die Probleme hätte anzeigen können.
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Politische Reaktionen
Der Fall erreichte inzwischen auch die Regierungsspitze. Laut Reuters kontaktierte Ministerpräsidentin Giorgia Meloni die Mutter des Kindes telefonisch und sicherte Unterstützung bei der Suche nach einem kompatiblen Spenderherz zu.
Zudem wandte sich die Familie an Papst Leo. Der Fall entwickelte sich damit von einem medizinischen Notfall zu einem landesweit beachteten Ereignis.
Medizinische Entscheidung
Das Kind, Domenico, wird im Monaldi-Krankenhaus in Neapel behandelt und seit Wochen künstlich am Leben gehalten. Ärzte befürchten laut Reuters, dass die langfristige Unterstützung mehrere Organe geschädigt haben könnte.
Ein landesweites Expertengremium aus führenden Kinderherz-Zentren prüfte die aktuellen Befunde. Das Krankenhaus erklärte anschließend, sein Zustand „ist nicht mit einer erneuten Transplantation vereinbar“.
Damit gilt eine erneute Transplantation als medizinisch nicht vertretbar.
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Familie fordert Klärung
Vor Journalisten beschrieb Anwalt Petruzzi die Lage der Mutter mit den Worten: „Die Mutter hat sich mit dem Gedanken abgefunden, dass ihr Sohn es nicht schaffen wird.“
Er betonte zugleich: „Wenn die Zeit der Hoffnung vorbei ist, dann hat die Zeit der Verantwortung begonnen.“
Die Familie verlangt vollständige Einsicht in sämtliche Behandlungsunterlagen, um nachvollziehen zu können, was schiefgelaufen ist.
Quelle: Reuters