Ein archäologischer Fund im Westen der Türkei liefert Fachleuten neues Untersuchungsmaterial. Auffällige Kleidung und mögliche Pigmentspuren könnten Forschern dabei helfen, zu rekonstruieren, wie das Objekt ursprünglich ausgesehen hat.
In den Ruinen von Sardes, einer antiken Stadt im Westen der Türkei, deren Geschichte mehrere große Zivilisationen umfasst, wurde eine 2.500 Jahre alte Statue eines jungen Mannes entdeckt.
Die rund 2,2 Meter hohe Statue stammt aus dem 5. Jahrhundert v. Chr., wie News24 unter Berufung auf das türkische Ministerium für Kultur und Tourismus berichtet. Dass die Gesichtszüge ungewöhnlich gut erhalten sind, scheint vor allem darauf zurückzuführen zu sein, was Jahrhunderte nach ihrer Anfertigung mit der Statue geschah.
In der Römerzeit verwendeten Bauarbeiter die Statue als Pflasterung entlang einer von Säulen gesäumten Straße und legten sie mit dem Gesicht nach unten. Diese Position trug dazu bei, die herausgearbeiteten Gesichtszüge zu schützen, während andere Teile des Marmors von verhärteten Ablagerungen bedeckt wurden.
Sardes war zuvor die Hauptstadt Lydiens gewesen, eines Königreichs mit Zentrum im Westen Anatoliens. Später geriet die Stadt unter persische Herrschaft und entwickelte sich zu einem bedeutenden Zentrum des Perserreichs. In diese Zeit wird auch die neu entdeckte Statue datiert.
Der türkische Minister für Kultur und Tourismus, Mehmet Nuri Ersoy, bezeichnete den Fund als „außergewöhnliche Entdeckung“.
Ungewöhnliche Kleidung deutet auf Lydien hin
Die Behörden haben der Kleidung der Statue besondere Aufmerksamkeit gewidmet, da sich die Kombination der Gewänder von vergleichbaren Skulpturen aus Griechenland und Anatolien unterscheidet. Die Kleidung umfasst einen Himation und einen Chiton sowie ein auffälliges Kleidungsstück, das mit horizontalen Linien verziert ist.
„Die ungewöhnlichen Details seiner Kleidung tragen Spuren der lydischen Kultur“, sagte Ersoy.
Der junge Mann scheint außerdem eine Frucht in der Hand zu halten. Nach Einschätzung der Behörden könnte die Statue zur Erforschung religiöser Vorstellungen, des kulturellen Austauschs und des Alltagslebens in Sardes während dieser Epoche beitragen.
Jahrhunderte später erlangte Sardes Bedeutung für die frühe Geschichte des Christentums. Die Stadt gehörte zu den sieben Gemeinden in Kleinasien, die in der Offenbarung des Johannes erwähnt werden, neben Ephesos, Pergamon, Thyatira, Smyrna, Philadelphia und Laodizea.
Konservatoren werden die Ablagerungen, die die Statue bedecken, vorsichtig entfernen und dabei auf möglicherweise erhaltene Spuren antiker Farbe achten. Auch Erde aus der Umgebung des Fundorts soll auf Pigmente untersucht werden. Nach Abschluss der Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten soll die Statue im Manisa Museum ausgestellt werden.
Quellen: News24, Türkische Ministerium für Kultur und Tourismus