Viele Menschen erholen sich nach einer Infektion mit dem Coronavirus vollständig.
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Doch für einen erheblichen Teil endet die Erkrankung nicht nach der akuten Phase. Eine aktuelle wissenschaftliche Untersuchung liefert neue Hinweise darauf, warum Long Covid bei manchen Betroffenen über Monate oder Jahre anhält.
Immunsystem bleibt ungewöhnlich aktiv
Die in der Fachzeitschrift Nature Immunology veröffentlichte Studie legt nahe, dass bei Long-Covid-Patienten das Immunsystem auch lange nach der Infektion nicht zur Ruhe kommt.
Selbst mehr als sechs Monate nach der Erstinfektion zeigten sich weiterhin ausgeprägte Entzündungsreaktionen im Körper.
Damit rückt eine dauerhaft aktivierte Immunabwehr als möglicher Krankheitsfaktor in den Vordergrund.
Zuvor waren Forschende davon ausgegangen, dass anhaltende Symptome vor allem durch im Körper verbliebene Virusreste verursacht werden könnten.
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Die neuen Ergebnisse deuten jedoch darauf hin, dass chronische Entzündungsprozesse eine eigenständige Rolle spielen.
Vergleich zwischen Genesenen und Erkrankten
Untersucht wurden insgesamt 180 Personen aus verschiedenen Phasen der Pandemie, darunter gesunde Probanden, vollständig Genesene und Menschen mit Long Covid.
Analysiert wurden unter anderem Proteinwerte, Genaktivität, Immunreaktionen und Hinweise auf verbliebene Virusbestandteile.
Dabei zeigte sich, dass bei Long-Covid-Betroffenen mehrere Entzündungswege dauerhaft aktiviert blieben, während sich diese Prozesse bei Genesenen normalisierten.
Bedeutung für mögliche Therapien
Weltweit sind schätzungsweise mehr als 400 Millionen Menschen von Long Covid betroffen. Spezifisch zugelassene Medikamente existieren bislang nicht, die Behandlung konzentriert sich auf einzelne Symptome.
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Der Studienleiter Dan Barouch, Direktor des Zentrums für Virologie und Impfstoffforschung am Beth Israel Deaconess Medical Center, erklärte, man gehe davon aus, „dass die ursprüngliche Covid-Infektion eine chronische Entzündung im Körper ausgelöst hat“.
Dies sei vermutlich nicht der einzige Auslöser, aber ein wichtiger Faktor. Hinweise auf bereits bestehende Entzündungen vor der Infektion habe man nicht gefunden.
Die Ergebnisse könnten künftig neue therapeutische Ansätze ermöglichen, insbesondere im Bereich entzündungshemmender Behandlungen.
Quelle: Bild