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Ukrainische Drohnen „versenken“ NATO-Fregatte bei Übung — Schwächen des Bündnisses werden sichtbar

underwater drone
Offical U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 1st Class Daniel Gay/Released, Public domain, via Wikimedia Commons

Ukrainisch geführte Kräfte, die Magura V7-Seedrohnen einsetzten, besiegten NATO-Einheiten in allen Szenarien einer großen Übung und legten erhebliche Lücken in der Fähigkeit des Bündnisses offen, unbemannte Bedrohungen zu erkennen und abzuwehren.

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Die jüngsten Marineübungen der NATO haben eine deutliche Warnung für das Bündnis offenbart: Es ist noch nicht auf die Realitäten moderner Drohnenkriegsführung vorbereitet.

Während der Übung REPMUS/Dynamic Messenger 2025 vor der Küste Portugals besiegten ukrainisch geführte „rote“ Kräfte NATO-Einheiten in allen fünf simulierten Szenarien. In mindestens einem Fall wäre eine NATO-Fregatte unter realen Gefechtsbedingungen „versenkt“ worden, was erhebliche Schwächen bei Aufklärung und Reaktionsfähigkeit aufzeigt.

Ukrainische Erfahrung trifft auf unbemannte Innovation

Im Rahmen der Übung übernahm die Ukraine die operative Führung der gegnerischen Kräfte und nutzte ihre Kampferfahrung aus dem Schwarzen Meer. Dies erwies sich als entscheidend.

Im Zentrum standen Magura V7-Seedrohnen — kleine, schnelle und schwer zu entdeckende unbemannte Überwasserfahrzeuge, die in verschiedenen Rollen eingesetzt wurden. Dazu gehörten Angriffsvarianten mit Sprengladungen, Aufklärungsplattformen mit Überwachungssystemen sowie Unterstützungsvarianten mit Maschinengewehren.

Diese Kombination aus kampferprobter Taktik und flexiblen Drohnenfähigkeiten ermöglichte es den ukrainisch geführten Kräften, die NATO-Verteidigung zu überlisten und zu überwältigen. Der Ansatz spiegelt die realen Erfolge der Ukraine gegen die Schwarzmeerflotte Russlands wider, bei denen ähnliche Systeme eingesetzt wurden, um hochrangige Marineziele zu beschädigen oder zu zerstören und strategische Rückzüge zu erzwingen.

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„Sie konnten unsere Waffen nicht einmal sehen“

Einer der aufschlussreichsten Momente ereignete sich während eines simulierten Konvoiangriffs. Ukrainische Drohnen erzielten genügend virtuelle Treffer auf eine NATO-Fregatte, um sie faktisch außer Gefecht zu setzen. Dennoch blieb die Besatzung sich der Bedrohung nicht bewusst.

Laut einem von Medien zitierten Teilnehmer bemerkten die NATO-Kräfte erst nach Abschluss des Gefechts, dass etwas nicht stimmte. Eine Nachricht des „blauen“ Teams soll gefragt haben, ob der Angriff bald beginne — Minuten nachdem er bereits erfolgreich abgeschlossen war.

„Das Problem war nicht, dass sie uns nicht stoppen konnten – sie konnten unsere Waffen nicht einmal sehen“, sagte der ukrainische Operator.

Die Übungsregeln verlangten lediglich die Erkennung und Dokumentation von Zielen für einen erfolgreichen Angriff, doch die Implikationen waren eindeutig: Die Lageerfassung und die Abwehrfähigkeiten der NATO gegenüber Drohnenbedrohungen hinken hinterher.

NATO: „Wertvolle Lehren“ aus einem „historischen Meilenstein“

Trotz des ungünstigen Ergebnisses stellte die NATO die Übung öffentlich als Erfolg dar. Vertreter bezeichneten die Führungsrolle der Ukraine als „historischen Meilenstein“ und betonten die Bedeutung, reale Kampferfahrungen in die Ausbildung des Bündnisses zu integrieren.

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Die Übung habe „wertvolle Lehren“ geliefert, insbesondere im Hinblick auf die wachsende Bedrohung durch unbemannte Systeme. Es wurde eingeräumt, dass solche Technologien — in Kombination mit effektiven Taktiken — eine ernsthafte Herausforderung darstellen, auf die das Bündnis noch nicht vollständig vorbereitet ist.

Ein Muster harter Lektionen

Die Übung in Portugal ist kein Einzelfall. Ähnliche Bedenken wurden bei den Landübungen „Hedgehog“ in Estland geäußert, bei denen ein kleines Team ukrainischer Drohnenspezialisten NATO-Einheiten Berichten zufolge mit überraschender Leichtigkeit störte. Führungspositionen wurden offengelegt, und die Abwehr gegen Drohnen erwies sich als unzureichend.

Zusammen deuten diese Vorfälle auf ein breiteres strukturelles Problem hin: Die Doktrinen und Fähigkeiten der NATO haben sich nicht vollständig an die rasante Entwicklung der Drohnenkriegsführung angepasst.

Auf der Suche nach Antworten in der Ukraine

Angesichts dieser Lücke wenden sich NATO-Staaten zunehmend an die Ukraine, um Expertise zu gewinnen. Deutschland hat bereits angekündigt, ukrainische Ausbilder in seine militärischen Trainingsprogramme zu integrieren, mit Schwerpunkt auf Drohnenoperationen, Artillerie und Führungssystemen.

Deutsche Vertreter warnen, dass die Zeit knapp ist. Geheimdienstliche Einschätzungen deuten darauf hin, dass Russland innerhalb der nächsten Jahre in der Lage sein könnte, einen groß angelegten Angriff auf die NATO zu starten — was die Dringlichkeit unterstreicht, sich an neue Formen der Kriegsführung anzupassen.

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Die unter den Bedingungen eines umfassenden Krieges gewonnene Kampferfahrung der Ukraine könnte sich nun als eine der wertvollsten Ressourcen der NATO erweisen, um diese Lücke zu schließen.

Quellen: NATO-Berichte zu REPMUS/Dynamic Messenger 2025; Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ); Reuters