ltern war früher etwas, das Menschen akzeptierten – wenn auch nicht immer mit Anmut, so doch zumindest stillschweigend. Das scheint heute weniger zu gelten. Da kosmetische Behandlungen normalisiert sind und überall sichtbar werden, ist die Entscheidung nicht mehr nur persönlich, sondern auch sozial.
In ihrer Kolumne in der Daily Mail greift die Journalistin Christa D’Souza auf ihre eigenen Erfahrungen zurück, um diese Spannung zu untersuchen – nicht als Theorie, sondern als etwas, dem sie selbst direkt begegnete.
Dubai, so bemerkt sie, ist ein Ort, an dem ein gepflegtes Erscheinungsbild Teil des gesellschaftlichen Gefüges ist, insbesondere unter wohlhabenden Expatriates.
Glatte Haut, subtile Anpassungen, das Gefühl, dass die Zeit sanft bearbeitet wurde, statt einfach zu vergehen.
In diesem Umfeld, schreibt sie, ging eine beiläufige Frage nach hinten los. Bei einem Mittagessen bat sie einen Mann, ihr Alter zu schätzen.
„Ich weiß nicht … Anfang 70?“
Keine dramatische Beleidigung. Nur eine Zahl. Doch in einem Raum, in dem viele Frauen viel investieren, um ein bestimmtes Aussehen zu bewahren, hatte sie Gewicht. Äußerlich stehen zu bleiben, kann so wirken, als würde man zurückfallen.
Ideale treffen auf Realität
D’Souza hatte nicht lange zuvor eine klare Entscheidung getroffen: keine weiteren Behandlungen. Nach Jahren mit Botox und anderen Eingriffen hörte sie Anfang sechzig damit auf. Keine große Ankündigung, nur eine leise gezogene Grenze.
Das mag einfach klingen. Ist es nicht. Die Vorstellung vom „natürlichen Altern“ wird oft als moralisch überlegen dargestellt, ist aber zugleich ein bewegliches Ziel. Haarfärbung, Hautpflege, Beleuchtung und sogar die Haltung spielen eine Rolle. Wo genau verläuft die Grenze?
Gleichzeitig wird häufig berichtet, dass die Nachfrage nach nicht-chirurgischen kosmetischen Eingriffen Jahr für Jahr steigt. Auch die Sprache hat sich verändert, von Korrektur hin zu „Erhaltung“. Es geht weniger darum, ein Gesicht zu verändern, als darum, es daran zu hindern, sich zu schnell zu verändern.
Sie verweist auch auf die warnende Seite und bemerkt, dass stark veränderte Erscheinungsbilder von Prominenten oft als Beispiele dafür diskutiert werden, was passiert, wenn Eingriffe zu weit gehen. Diese Sorge bleibt im Hintergrund bestehen.
Dann gibt es die Gegenposition. Die amerikanische Autorin Joan Juliet Buck sagte der New York Times: „Ich denke, wir sind wie alte Steinhäuser. Wir haben den Wert des Alters.“
Es ist eine romantische Vorstellung – Altern als Struktur und Geschichte. D’Souza fühlt sich davon angezogen, ist aber nicht vollständig überzeugt.
Eine widerwillige Neubewertung
Denn Überzeugung und Instinkt stimmen nicht immer überein. Sie gibt zu, dass der Moment in Dubai sie stärker verunsicherte, als sie erwartet hatte. Nicht genug, um in Panik zu geraten, aber genug, um ihre Haltung zu überdenken.
Der Drang, etwas zu tun – selbst etwas Kleines –, kehrte zurück. Nicht unbedingt, um Jugend nachzujagen, eher, um die Spuren der Zeit abzumildern.
Oft wird auf Forschung verwiesen, wonach sich das Altern in bestimmten Phasen beschleunigt, auch wenn sich die persönliche Erfahrung weniger klinisch anfühlen kann. In einem Jahr sieht man gleich aus. Im nächsten nicht mehr. Es ist subtil – bis es plötzlich nicht mehr subtil ist.
Am Ende vereinbarte sie einen Termin bei einer Dermatologin, die sie gut kennt. Keine große Erklärung, kein Gefühl der Niederlage. Nur eine Entscheidung.
Vielleicht ist das der Punkt, an dem viele landen. Weder jede Linie vollständig anzunehmen noch sie ganz auszulöschen. Anpassen, neu justieren, weitermachen.
Und vielleicht ist das die unbequeme Wahrheit, die sich durch ihren Text zieht:
Altern ist keine Haltung, die man einmal einnimmt. Es ist etwas, das man immer wieder neu aushandelt, ob man will oder nicht.
Quellen: Daily Mail, The New York Times