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Nordkoreanischer Arzt in Moskauer Klinik entdeckt

Korean doctor examining child
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Berichte über nordkoreanische Ärzte, die im Ausland arbeiten, rücken erneut in den Fokus von Sanktionsexperten und Forschern. Die Fälle, die in einer aktuellen Berichterstattung von NK News identifiziert und von anderen Medien aufgegriffen wurden, treten zu einem Zeitpunkt auf, in dem Russland seine Zusammenarbeit mit Pjöngjang vertieft und zugleich mit erheblichen Personallücken in seinem Gesundheitssystem kämpft.

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Der russische Gesundheitssektor steht seit Jahren unter Druck. Laut United24Media erklären Behördenvertreter, dass dem Land mehr als 23.000 Ärzte und über 63.000 medizinische Fachkräfte im mittleren Bereich fehlen. Der Personalmangel hat Behörden und private Kliniken dazu gezwungen, nach neuen Quellen für Personal zu suchen.

Gleichzeitig haben sich die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und Nordkorea, offiziell der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), in den vergangenen Jahren deutlich intensiviert, darunter Kooperationen in Handel, Technologie und militärischen Angelegenheiten.

Ein ungewöhnlicher medizinischer Fall

Vor diesem Hintergrund berichtete NK News, dass eine Klinik für traditionelle Medizin in Moskau die Dienste eines Arztes bewirbt, der vermutlich aus Nordkorea stammt.

Die Klinik Jin Yu, auch als „Golden Fish“ bekannt, stellt den Praktiker Kim Myong Su auf ihrer Website und in Werbevideos vor, in denen er über Akupunktur und andere diagnostische Techniken spricht.

Nach Angaben der Klinik absolvierte Kim seine Ausbildung an der Medizinischen Universität Pjöngjang und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung in der traditionellen Medizin, darunter auch frühere Tätigkeiten außerhalb Nordkoreas.

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Allein dies macht den Fall in Moskau ungewöhnlich. Nordkoreanische Arbeitseinsätze im Ausland konzentrierten sich bislang meist auf Bauwesen, Holzfällerei und andere manuelle Branchen und nicht auf spezialisierte Berufe wie die Medizin.

Sanktionen im Fokus

Die Präsenz nordkoreanischer Fachkräfte im Ausland wirft aufgrund internationaler Sanktionen rechtliche Fragen auf.

Die Resolution 2397 des UN-Sicherheitsrats verpflichtet Staaten, zu verhindern, dass nordkoreanische Staatsbürger im Ausland arbeiten – eine Maßnahme, die darauf abzielt, Einnahmen zu unterbinden, die Pjöngjangs Atom- und Raketenprogramme unterstützen könnten.

Ehemalige Mitglieder des UN-Gremiums zur Überwachung der Sanktionen erklärten gegenüber NK News, dass die Beschäftigung eines nordkoreanischen Arztes gegen diese Regeln verstoßen könnte, wenn der Praktiker weiterhin Staatsbürger der DVRK ist.

Medizinische Zusammenarbeit zwischen Ländern ist unter separaten Bestimmungen für wissenschaftlichen Austausch mitunter erlaubt, doch Experten zufolge gelten diese Ausnahmen in der Regel nicht für private Kliniken, die nordkoreanisches Personal beschäftigen.

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Muster über Russland hinaus

Eine Untersuchung von NK News identifizierte außerdem einen ähnlichen Fall in Zentralasien, der auf ein breiteres Muster hindeuten könnte.

Das Medium berichtete, dass eine Klinik in Bischkek in Kirgisistan, gegründet von einem ursprünglich aus Nordkorea stammenden Mann, Behandlungen anbietet, die mit der koreanischen traditionellen Medizin verbunden sind, und offenbar mehrere Praktiker beschäftigt, die vermutlich aus dem Land stammen.

Online-Bewertungen und Bilder in sozialen Medien deuten darauf hin, dass einige Mitarbeiter hauptsächlich auf Koreanisch kommunizieren, während in der Klinik ausgehängte Poster im nordkoreanischen Dialekt verfasst sind.

Forscher sagen, solche Beispiele könnten darauf hindeuten, dass Pjöngjang die Arten von Auslandsjobs, die seine Bürger ausüben, schrittweise erweitert.

Sollte sich dieser Trend fortsetzen, warnen Analysten, könnte die Durchsetzung von Sanktionen, die darauf abzielen, Nordkoreas Einnahmen aus Auslandstätigkeiten zu begrenzen, zunehmend schwieriger werden.

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Quellen: NK News, United24Media