Die Finnin Meeri Koittola strebt mit ihrer am Sonntag durchgeführten Eisbad-Aktion einen Eintrag in das Guinness-Buch der Rekorde an.
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Eiskaltes Wasser, ein stiller See und ein Körper am Limit. In Finnland hat ein ungewöhnlicher Rekordversuch erneut gezeigt, wie schmal der Grat zwischen Kontrolle und Lebensgefahr bei extremer Kälte ist.
Mediziner warnen: Unterkühlung entwickelt sich oft unbemerkt und kann selbst Geübte in Minuten in ernsthafte Gefahr bringen.
Warnung aus der Praxis
Der finnische Notfallmediziner Jari Pirnes weist laut dem Rundfunksender Yle darauf hin, dass Hypothermie individuell sehr unterschiedlich verläuft. Gewöhnung und körperliche Voraussetzungen spielten eine Rolle, böten aber keinen vollständigen Schutz.
Sinke die Körpertemperatur unter 35 Grad, beginne der Körper gegenzusteuern. Bei weiterem Abkühlen lasse jedoch das logische Denken nach, während gleichzeitig ein trügerisches Wärmegefühl entstehen könne.
Besonders kritisch werde es unter 32 Grad, wenn Muskelzittern aufhöre und das Risiko tödlicher Herzrhythmusstörungen stark ansteige.
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Ein Rekord als Beispiel
Vor diesem Hintergrund berichtet Yle über den Versuch der Finnin Meeri Koittola, einen neuen Weltrekord im Eissitzen aufzustellen. Sie verbrachte am Sonntag über eine Stunde in einem Eisloch des Karhukorvenjärvi-Sees in Westfinnland.
Mit 61 Minuten und 27 Sekunden übertraf sie die bisherige Bestmarke einer polnischen Rekordhalterin. Gleichzeitig sammelte sie Spenden für die palliative Krebsversorgung in ihrer Heimatgemeinde, so der Sender.
Bereits ein Jahr zuvor hatte Koittola rund eine dreiviertel Stunde im Eiswasser gesessen und sich rasch erholt. Das ermutigte sie zu einem neuen Anlauf.
Training und Absicherung
Nach Angaben von Yle bereitete sich Koittola monatelang vor. Die Kälteexposition wurde schrittweise verlängert, ergänzt durch Atemübungen und mentales Training. Auch ihr Alltag wurde angepasst, um Raum für die Vorbereitung zu schaffen.
Der Rekordversuch selbst erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Medizinisches Fachpersonal, Kälteexperten und die freiwillige Feuerwehr überwachten den Ablauf. Rund 150 bis 200 Zuschauer verfolgten das Geschehen vor Ort.
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Gefährliche Minuten danach
Die größte Gefahr entstand nicht während, sondern nach dem Verlassen des Wassers. Bei starkem Frost begann das Wasser um Koittola herum zu gefrieren, sodass Einsatzkräfte sie aus einer Eisschicht lösen mussten, wie Yle berichtet.
Ihre Körpertemperatur dürfte unter 34 Grad gefallen sein. Es folgten starkes Zittern und eine langsame Wiedererwärmung. Auf weitere Rekordversuche will Koittola verzichten, das Eisschwimmen als Hobby aber fortsetzen.
Pirnes betonte laut Yle, dass solche Leistungen Ergebnis jahrelanger Gewöhnung seien. Für Ungeübte oder Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen könne eigenständiges Training fatale Folgen haben.
Quelle: Yle