Afrikanische Regierungen reagieren auf Berichte über die Beteiligung ihrer Staatsbürger am Ukraine-Krieg.
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Während sich der Krieg in der Ukraine dem fünften Jahr nähert, geraten neue Rekrutierungswege in den Fokus. Berichte internationaler Medien legen nahe, dass auch afrikanische Staatsbürger in wachsender Zahl in russischen Uniformen kämpfen.
Die Vorwürfe betreffen nicht nur individuelle Schicksale, sondern werfen diplomatische und sicherheitspolitische Fragen auf.
Strategie und Druck
Russland steht angesichts anhaltender Kämpfe und hoher Verluste unter erheblichem Personalbedarf. Moskau setzt neben Teilmobilisierungen auch auf Freiwillige und ausländische Rekruten, um die eigenen Reihen zu verstärken.
Wie CNN berichtet, wurden Männer aus mehreren afrikanischen Ländern mit zivilen Arbeitsangeboten angeworben. Versprochen worden seien gut bezahlte Tätigkeiten sowie Bonuszahlungen und Perspektiven auf eine spätere Einbürgerung.
Stattdessen seien viele nach ihrer Ankunft mit Militärverträgen konfrontiert worden. Laut CNN hätten einige Dokumente auf Russisch unterschreiben müssen, ohne Übersetzung oder anwaltliche Begleitung. Russische Behörden äußerten sich dem Sender zufolge nicht zu den Vorwürfen.
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Ein Betroffener sagte CNN: “Ich bin seit sieben Monaten hier und habe keinen einzigen Cent bekommen. Sie versprechen immer wieder, es zu überprüfen, aber es passiert nichts.”
Diplomatische Folgen
Die politische Reaktion in Afrika wächst. Wie BBC berichtet, will Kenia das Thema offiziell mit Moskau besprechen. Außenminister Musalia Mudavadi bezeichnete die Praxis im Gespräch mit der BBC als “inakzeptabel und verdeckt durchgeführt”.
Die kenianische Regierung schätzt, dass rund 200 Staatsbürger für Russland rekrutiert worden seien. 27 seien inzwischen zurückgeführt worden und erhielten psychologische Betreuung.
Mudavadi sagte der BBC: “Dafür kann man die Regierung nicht verantwortlich machen.” Mehr als 600 mutmaßlich illegale Vermittlungsagenturen seien geschlossen worden.
Auch Südafrika steht laut BBC im Austausch mit Moskau über die Rückführung eigener Staatsbürger. Zugleich zitiert die BBC eine Einschätzung ukrainischer Geheimdienste, wonach mehr als 1.400 Personen aus 36 afrikanischen Ländern für Russland angeworben worden sein sollen.
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Individuelle Schicksale
CNN dokumentiert mehrere persönliche Berichte. Der Kenianer Francis Ndung’u Ndarua warnte in einem Video: “Du wirst am Ende zum Militär gebracht, selbst wenn du nie gedient hast, und an die Front geschickt. Und dort wird wirklich getötet.”
Ein anderer Kenianer, Patrick Kwoba, der nach eigenen Angaben desertierte und nach Kenia zurückkehrte, erklärte gegenüber CNN: “Sobald du im russischen Militär bist, entkommst du – oder du stirbst.”
Auch Charles Njoki berichtete von Verletzungen durch Drohnenangriffe und sagte: “Sie belügen die Leute. Das Geld, von dem sie sagen, dass sie es zahlen, stimmt nicht.”
Der ukrainische Botschafter in Kenia, Yurii Tokar, sagte laut CNN mit Blick auf ausländische Kämpfer in russischen Reihen: „Wenn sie an der Front stehen, sind sie unsere Feinde, und die Ukraine verteidigt sich.“ Zugleich forderte er: „Diese Pipeline sollte gestoppt werden.“
Wie viele afrikanische Kämpfer ums Leben gekommen sind, bleibt nach Angaben von CNN und BBC unklar.
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Quellen: BBC, CNN