Stirbt der Präsident oder wird er amtsunfähig, tritt Premierminister Michail Mischustin sofort ein.
Wenn ein alternder Herrscher jahrzehntelang absolute Macht innehat, beobachtet die Welt jedes Anzeichen von Schwäche.
Es bedarf nur eines einzigen Fotos, um globale Besorgnis auszulösen. Doch hinter den physischen Gerüchten verbirgt sich eine viel tiefere politische Gefahr, der sich nur wenige stellen wollen.
Ein Geist an der Spitze
Neue Fotos eines blassen und ausgemergelten Wladimir Putin haben die intensive Online-Debatte über seinen körperlichen Zustand neu entfacht.
Auf aktuellen Bildern aus Moskau, die ein Treffen mit der Wahlleiterin Ella Pamfilowa zeigen, wirkt der 73-jährige russische Präsident merklich dünner und ausgelaugter, so der Daily Express.
Gesundheitsspekulationen kursieren seit Jahren. Dennoch warnen Experten, dass eine weitaus größere politische Bedrohung lauert. Der gesamte Kreml-Apparat ruht auf einem einzigen Führer, und die Beamten haben keine Notfallstrategie, falls dieser plötzlich stirbt.
In einem Beitrag für Foreign Affairs warnte Dr. Julian G. Waller, ein Forschungswissenschaftler am Centre for Naval Analyses, dass Putin bewusst vermieden habe, einen Nachfolgemechanismus zu schaffen.
„Putin wird das Amt irgendwann verlassen, sei es durch Tod, Krankheit oder, entgegen aller erkennbaren Neigungen, durch einen Rücktritt. Doch was dann geschieht, ist unklar“, bemerkte Waller.
Andere postsowjetische Führer haben Familienmitglieder aufgebaut oder feste Regeln etabliert. Putin hat beides nicht getan. Dieses völlige Fehlen klarer Übergangsregelungen birgt das Risiko, die Nation laut dem Express-Bericht ins sofortige Chaos zu stürzen.
Macht im Schatten
Auf dem Papier skizziert die russische Verfassung einen klaren temporären Weg. Stirbt der Präsident oder wird er amtsunfähig, tritt Premierminister Michail Mischustin sofort ein, um die Amtsgeschäfte kommissarisch zu führen.
Waller betont jedoch, dass Mischustin keine unabhängige Machtbasis besitzt. Ohne starke persönliche Unterstützung würde er Schwierigkeiten haben, eine temporäre Führung in eine dauerhafte Autorität umzuwandeln.
Stattdessen würde sich der tatsächliche Einfluss wahrscheinlich auf eine undurchsichtige Gruppe älterer Sicherheitsloyalisten verlagern.
Dieser enge Kreis umfasst den Geheimdienstchef Alexander Bortnikow (74), den Chef der Nationalgarde Wiktor Solotow (72), den Sekretär des Sicherheitsrates Sergei Schoigu (71) und General Waleri Gerassimow (70).
Diese erfahrenen Persönlichkeiten haben Jahrzehnte damit verbracht, jüngere Talente am Aufstieg in den Rängen zu hindern. Ihr fester Griff hat einen gefährlichen Engpass geschaffen. Infolgedessen verfügen jüngere Beamte praktisch über keine echte Regierungserfahrung.
Quellen: Daily Express, Foreign Affairs