Laut dem Präsidenten waren die Meinungen unter den Politikern praktisch einstimmig.
In einer wegweisenden Abstimmung Mitte Juni entschied das finnische Parlament, ein jahrzehntelanges nationales Verbot von Atomwaffen aufzuheben.
Gemäß dem geänderten Gesetz wird Finnland nun den Import, den Transit und den Transport von Atomwaffen durch das Land erlauben.
Nun bewegt sich ein weiterer NATO-Nachbar Russlands in dieselbe Richtung.
Alte Gesetze aufheben
Litauen bereitet sich auf eine grundlegende Änderung seiner nationalen Verteidigungsstrategie vor. Präsident Gitanas Nausėda gab am 2. Juli bekannt, dass sich die politischen Führer des Landes darauf geeinigt haben, die Verfassung zu ändern, um ausländische Atomwaffen auf litauischem Boden zuzulassen.
Das aktuelle Gesetz, bekannt als Artikel 137, verbietet ausdrücklich Massenvernichtungswaffen und ausländische Militärstützpunkte. Beamte betrachten diese Regelungen jedoch inzwischen als veraltet.
Die Regierung in Vilnius möchte die Sicherheit des Landes stärken, indem sie sowohl deutsche Truppen als auch französischen Nuklearschutz willkommen heißt.
Der öffentlich-rechtliche Sender LRT berichtete, dass die politischen Führer in dieser Angelegenheit weitgehend geeint seien. „Die Meinungen waren praktisch einstimmig. Fast alle Fraktionsvorsitzenden vertraten die Ansicht, dass Artikel 137 obsolet geworden ist und nicht nur geändert, sondern gestrichen werden sollte“, sagte Nausėda gegenüber Journalisten.
Die Abgeordneten müssen nun entscheiden, wie diese Gesetzesänderung umgesetzt werden soll. Sie können entweder ein nationales Referendum abhalten oder dem jüngsten Beispiel Finnlands folgen und direkt im Parlament abstimmen.
Sicherheitsbedenken
Der baltische Staat möchte schnell handeln, um seine Sicherheit zu stärken. Nausėda betonte, dass Geschwindigkeit entscheidend sei, und sagte: „Es wäre wirklich bedauerlich, wenn wir zum schwächsten Glied oder zu einer Grauzone innerhalb der NATO würden.“
Trotz dieser Bedenken ist Litauen bereits eines der engagiertesten Mitglieder des Bündnisses. Laut einem NATO-Bericht über die Verteidigungsausgaben gab das Land im Jahr 2025 beeindruckende 4 % seines BIP für die Verteidigung aus. Damit lag es an zweiter Stelle, nur hinter Polen.
Das Land beherbergt bereits eine multinationale NATO-Kampfgruppe zur Abschreckung von Aggressionen. Die Truppe umfasst eine dauerhafte Stationierung von bis zu 5.000 deutschen Soldaten, die bei der Verteidigung des Staatsgebiets helfen.
Eine nukleare Nachbarschaft
Die geografische Lage erklärt, warum litauische Beamte so besorgt sind. Das Land grenzt an stark militarisierte Gebiete. Sowohl Belarus als auch die russische Region Kaliningrad verfügen direkt jenseits der litauischen Grenze über atomwaffenfähige Waffensysteme.
Um dieser Bedrohung zu begegnen, sucht Vilnius Unterstützung bei seinen westlichen Verbündeten. Die Financial Times berichtete, dass die Vereinigten Staaten derzeit die Stationierung von Waffen entlang der NATO-Ostflanke in Betracht ziehen.
Unterdessen suchen auch andere europäische Staaten nach neuen Sicherheitsvereinbarungen. Norwegen hat bereits begonnen, Frankreichs Angebot eines nuklearen Schutzschirms anzunehmen, und Litauen scheint bereit zu sein, diesem Beispiel zu folgen.
Medwedew: „Auf Russlands Atomzielliste“
Nach Finnlands wegweisender Entscheidung sagte der stellvertretende Vorsitzende des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, die Finnen seien offiziell auf Russlands Atomzielliste gelandet.
„Finnland hat das Verbot der Stationierung von Atomwaffen aufgehoben. Was ändert das für die Finnen? Nur eine Kleinigkeit: Ihr Land steht jetzt auf Russlands Atomzielliste. Freut euch, Finnland, ihr habt den Höhepunkt der Sicherheit erreicht!“, schrieb Medwedew auf X.
