Startseite Krieg Malis Russland-Allianz steht vor rechtlicher Prüfung

Malis Russland-Allianz steht vor rechtlicher Prüfung

Mali soldiers marching
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Ein Verfahren vor Afrikas oberstem Gericht für Menschenrechte rückt Malis Militärstrategie erneut in den Fokus. Im Zentrum stehen Vorwürfe großangelegter Tötungen von Zivilisten bei Operationen, die mit Unterstützung ausländischer Kämpfer durchgeführt wurden.

Die Klage konzentriert sich auf eine Operation im März 2022 in der zentral gelegenen Stadt Moura. Ermittler der Vereinten Nationen kamen zu dem Schluss, dass malische Streitkräfte gemeinsam mit ausländischen Kämpfern, die der russischen Wagner-Gruppe zugerechnet werden, mindestens 500 Zivilisten getötet haben.

Diese Feststellungen, die von The Moscow Times zitiert werden, bilden einen zentralen Bestandteil des Falls, der nun vor dem Afrikanischen Gerichtshof für Menschen- und Völkerrechte verhandelt wird.

Menschenrechtsorganisationen argumentieren, der Vorfall sei kein Einzelfall gewesen, sondern Teil eines umfassenderen Musters von Übergriffen im Rahmen von Aufstandsbekämpfungsmaßnahmen.

Sie werfen Mali vor, Zivilisten nicht geschützt und keine ernsthaften Schritte unternommen zu haben, um die Verantwortlichen zu ermitteln.

Ein mögliches Präzedenzurteil

Die Beschwerde wurde von TRIAL International, der Pan African Lawyers Union und der International Federation for Human Rights eingereicht.

Laut dem russischen unabhängigen Medium wollen die Organisationen Malis Verantwortung für die Zusammenarbeit mit ausländischen Auftragnehmern feststellen lassen, denen „schwere Menschenrechtsverletzungen“ vorgeworfen werden.

Fälle, die private militärische Akteure betreffen, sind vor dem Gericht, das seinen Sitz in Arusha in Tansania hat, selten. Rechtsexperten zufolge könnte das Urteil Einfluss darauf haben, wie Staaten beurteilt werden, wenn sie auf solche Kräfte zurückgreifen.

Der Schritt spiegelt umfassendere Sorgen über den zunehmenden Einsatz privater Militärunternehmen in Konfliktzonen und die Schwierigkeit wider, diese zur Rechenschaft zu ziehen.

Partnerschaft mit Russland im Fokus

Malis Militärführung wandte sich 2021 Russland zu, nachdem sie die Beziehungen zum früheren Verbündeten Frankreich abgebrochen hatte, und lud Wagner-Kämpfer ein, um eine sich verschärfende Aufstandsbewegung zu bekämpfen.

Diese Kräfte trugen 2023 zur Rückeroberung wichtiger Gebiete bei. Ihre Präsenz wurde jedoch auch mit Vorwürfen rechtswidriger Tötungen, Folter und willkürlicher Inhaftierungen in Verbindung gebracht.

Ein im Antrag hervorgehobener Vorfall datiert auf April 2022, als Berichten zufolge mindestens 50 Zivilisten getötet und Hunderte festgenommen wurden, nachdem eine Straßenbombe einen „russischen Berater“, der mit malischen Truppen zusammenarbeitete, getötet hatte.

Die Wagner-Gruppe wurde inzwischen durch eine mit Russland verbundene Einheit ersetzt, die als Afrika-Korps bekannt ist und Moskaus Sicherheitsengagement in der Region fortsetzt.

Das Verfahren dürfte prüfen, ob Mali für Handlungen ausländischer Kämpfer, die an der Seite seiner Armee operieren, verantwortlich gemacht werden kann – eine Frage mit Auswirkungen über die Landesgrenzen hinaus.

Quellen: The Moscow Times, Berichte der Vereinten Nationen