Der Test bringt ein kompaktes Energieprojekt von der Planungsphase in den Betrieb eines funktionierenden Reaktors. Nun stehen die Verantwortlichen vor der schwierigeren Aufgabe, das System zu einer zuverlässigen Stromquelle zu machen.
Antares, ein 2023 gegründetes US-amerikanisches Kerntechnik-Start-up, hat mit seinem Mikroreaktor Mark-0 am Idaho National Laboratory erstmals Kritikalität erreicht, teilte das Unternehmen in einer Pressemitteilung mit.
Erste Kritikalität bedeutet, dass der Reaktor eine nukleare Kettenreaktion aufrechterhalten konnte. Dies stellt einen zentralen technischen Meilenstein bei Reaktortests dar, auch wenn der Mark-0 derzeit noch keinen Strom für Abnehmer erzeugt.
Ein privater Reaktor besteht seine erste große Bewährungsprobe
Die Demonstration wurde im Rahmen des Reactor Pilot Program des US-Energieministeriums genehmigt, das darauf abzielt, Tests fortschrittlicher Reaktorkonzepte zu beschleunigen. Am Projekt beteiligt waren das Idaho National Laboratory, BWX Technologies und die US-Armee.
US-Energieminister Chris Wright bezeichnete das Ergebnis laut einer von Morningstar verbreiteten Erklärung als „einen historischen Moment für die amerikanische Kernenergie“.
Jordan Bramble, Geschäftsführer von Antares, erklärte, das Unternehmen habe sein erstes Ziel erreicht.
„Wir haben Kritikalität im Jahr 2026, Stromerzeugung im Jahr 2027 und Energieversorgung für die Streitkräfte im Jahr 2028 angekündigt.“
Militärischer Energiebedarf prägte die Entwicklung
Der Mark-0 nutzt TRISO-Brennstoff, der von BWXT geliefert wurde. Die Brennstoffentwicklung steht im Zusammenhang mit Project Pele, einem US-Verteidigungsprogramm zur Demonstration transportabler Kernenergieanlagen.
Die Technologie hat das Interesse des US-Militärs geweckt, da sie die Abhängigkeit von Treibstofflieferungen und anfälliger Energieinfrastruktur verringern könnte. Abgelegene Stützpunkte, Übungsgelände und isolierte Einrichtungen benötigen häufig eine stabile Energieversorgung an Orten, an denen herkömmliche Versorgungswege nur schwer zu schützen sind.
Bramble betonte, dass die Geschwindigkeit ein entscheidender Bestandteil des Projekts gewesen sei.
„Wir haben den Weg vom Konzept zu einem kritischen Reaktor in weniger als zwölf Monaten sicher zurückgelegt.“
Dieses Tempo ist ein zentraler Bestandteil des Angebots des Unternehmens. Das Erreichen der Kritikalität bedeutet jedoch noch nicht, dass der Reaktor im Alltag einsatzfähig ist. In der nächsten Phase soll geprüft werden, ob das System den Übergang von reaktorphysikalischen Daten zur nutzbaren Stromerzeugung schaffen kann.
Stromerzeugung ist die nächste Zielmarke
Antares plant nach eigenen Angaben, im Jahr 2027 mit der Stromerzeugung zu beginnen. Langfristig will das Unternehmen bis zum 30. September 2028 stromerzeugende Mikroreaktoren auf US-Militärstützpunkten installieren.
Bevor der Reaktor breiter vermarktet werden kann, benötigt er eine Zulassung der US-Atomaufsichtsbehörde Nuclear Regulatory Commission (NRC), berichtet Digi24. Dieses Genehmigungsverfahren ist von der Sondergenehmigung für den Test in Idaho getrennt.
Nach Angaben des Unternehmens lieferte die Demonstration zudem Daten zum Verhalten des Reaktorkerns, zu den Kontrollsystemen und zur Leistung des Brennstoffs.
Diese Informationen können Ingenieuren helfen, künftige Versionen des Reaktors weiterzuentwickeln, bevor ein Betrieb unter voller Leistung aufgenommen wird.
Rumänien verfolgt einen anderen SMR-Ansatz
Der Test in den USA findet zu einem Zeitpunkt statt, an dem auch andere Kleinreaktorprojekte weltweit voranschreiten.
Wie Digi24 berichtet, verfolgt Rumänien in Doicești auf dem Gelände eines ehemaligen Kohlekraftwerks ein Projekt für kleine modulare Reaktoren auf Basis der NuScale-Technologie.
Das Vorhaben beginnt mit einem geplanten Modul mit einer Leistung von 77 MW und könnte später auf sechs Einheiten erweitert werden.
Laut der rumänischen Nachrichtenseite ist NuScale bislang das einzige Reaktordesign für kleine modulare Reaktoren, das von der NRC zugelassen wurde.
Quellen: Digi24, Morningstar, Pressemitteilung von Antares