Worte zählen in der globalen Politik.
Eine ausgetauschte Formulierung kann eine massive Strategieänderung signalisieren oder einfach eine Falle stellen. Manchmal ist das Schockierendste, was ein Staatschef tun kann, höflich zu sein.
Eine plötzliche Änderung
Der russische Präsident Wladimir Putin sprach am Ende der Feierlichkeiten zum Tag des Sieges vor Journalisten. Er überraschte alle völlig.
Die Nachrichtenagentur Unian, zitiert von Onet, berichtete, dass der russische Staatschef einen überraschenden Titel verwendete. Putin bezeichnete seinen Amtskollegen schlicht als „Mr. Zelensky“.
Diese kleine Formulierung verblüffte die Zuhörer. Sie stellte eine massive Abkehr von seiner sonst aggressiven Sprache dar.
Alte Beleidigungen werden getilgt
In den frühen Tagen der Invasion war die Rhetorik aus Moskau bösartig. Als sich heftiger Widerstand regte, wetterte ihr Anführer wütend.
Onet News merkt an, dass der russische Staatschef zuvor ukrainische Soldaten zum Putsch aufgerufen hatte. Damals, so Berichte von Unian, wies er die zivile Regierung vollständig zurück und äußerte brutale Beleidigungen.
„Es scheint, dass es für uns einfacher sein wird, eine Einigung mit Ihnen zu erzielen als mit dieser Bande von Drogenabhängigen und Neonazis, die sich in Kiew niedergelassen und die gesamte ukrainische Nation als Geisel genommen hat“, erinnerte Unian an Putins Worte.
Die neue höfliche Falle
Nun hat sich der Ton dramatisch geändert. Während der Diskussion über mögliche Gespräche gab Putin eine ganz andere Art von Erklärung ab.
„Ich habe wieder einmal gehört, dass die ukrainische Seite, Mr. Zelensky, zu einem persönlichen Treffen bereit ist. Ja, das habe ich. Aber das ist nicht das erste Mal, dass wir das hören … Wir haben nie abgelehnt, und ich habe auch nicht abgelehnt“, sagte Putin.
Der Militärexperte Oleksandr Kovalenko warnte, dieser Respekt sei völlig falsch. Im Gespräch mit Unian erklärte er, dass die plötzliche Wende nichts weiter als ein kalkuliertes politisches Spiel sei.
„Plötzlich begann Putin über seine Bereitschaft zu sprechen, sich mit Mr. Zelensky zu treffen, um einen endgültigen Friedensvertrag zu unterzeichnen. Dies ist eine weitere Manipulation, diesmal jedoch in einem völlig anderen Ton“, sagte Kovalenko.
Wut im eigenen Land
Dieses höfliche Vorgehen hat in russischen Pro-Kriegs-Kreisen Wut ausgelöst. Hardliner-Anhänger tun sich schwer zu verstehen, warum ihr Anführer seine öffentliche Stimme mäßigt.
Der russische Militärblogger Vladimir Romanov nutzte soziale Medien, um die neue Sprache zu verspotten. Er wies auf die irritierende Heuchelei der plötzlichen Änderung hin.
„Mr. Zelensky. Ist Zelensky also kein Drogenabhängiger, Usurpator und Terrorist mehr, sondern ein Gentleman?“, fragte der Blogger rhetorisch.
Moskau versucht eindeutig eine neue Taktik. Die Welt beobachtet, was diese seltsame Höflichkeit wirklich verbirgt.
Quellen: Onet News, Unian, Vladimir Romanov