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Russischer Abgeordneter greift Putin an: „Die etablierte Führung wird die volle Verantwortung tragen“

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Gevorg Ghazaryan / Shutterstock.com

Er fordert einen klaren Plan zur Beendigung des Krieges.

Es kommt nicht oft vor, dass Politiker in Russland den Kreml offen kritisieren, doch ein prominenter russischer Abgeordneter ist nun aus der Reihe getanzt, um Putins Führung scharf anzugreifen.

Wjatscheslaw Marchajew, der für die Kommunistische Partei in der Staatsduma sitzt, warnt, dass die Nation auf eine massive soziale Explosion zusteuert. Angesichts der im September anstehenden Parlamentswahlen könnte sein Vorstoß kaum zu einem sensibleren Zeitpunkt kommen.

The Moscow Times und das Medium Meduza zitieren einen Telegram-Beitrag des erfahrenen Politikers, der auf eine tiefe Kluft zwischen der einfachen Bevölkerung und der herrschenden Elite hinweist. Während normale Bürger zu kämpfen haben, florieren korrupte Beamte weiterhin.

Er stellt fest, dass die Gebühren für grundlegende Versorgungsleistungen immer weiter steigen, während die alternde Infrastruktur aus der Sowjetzeit zerfällt.

Geld werde nicht für die Reparatur kommunaler Netze ausgegeben. Stattdessen, so schrieb Marchajew, „fließen Gelder nicht in die Reparatur von Netzen, sondern in Yachten, Paläste und ausländische Vermögenswerte.“

Sich wandelnde Kriegsziele

Die Kritik richtete sich auch gegen die Militärkampagne in der Ukraine. Marchajew argumentierte, dass eine ineffektive Führung das Land seine jüngsten und fähigsten Männer koste.

Unterdessen nehmen grenzüberschreitende Angriffe zu. Er kritisierte die Regierung dafür, tiefe Drohnenangriffe lediglich zu ertragen, anstatt die eigenen Städte zu schützen. Zudem behauptet er, dass Beamte die ursprünglichen Kriegsziele stillschweigend abschwächen.

„Wenn diese Situation anhält, werden eine soziale Explosion und Chaos wahrscheinlicher“, warnte Marchajew.

Er bestand darauf, dass „die etablierte Führung die volle Verantwortung für sämtliche Folgen tragen wird“.

Der 71-Jährige fordert ein sofortiges Einfrieren weiterer Erhöhungen der Versorgungsgebühren. Er fordert außerdem einen „klaren, öffentlichen Plan zur Beendigung der SVO, basierend auf Russlands nationalen Interessen“.

SVO ist die in Russland gebräuchliche Bezeichnung für die „Spezielle Militärische Operation“, mit der der Krieg in der Ukraine offiziell bezeichnet wird.

Wachsende wirtschaftliche Sorgen

Marchajew ist nicht der einzige Politiker, der Alarm schlägt. Andere Parteivertreter teilen seine tiefe Besorgnis über die wirtschaftlichen Kosten eines endlosen Krieges.

Der Abgeordnetenkollege Renat Sulejmanow forderte kürzlich ein rasches Ende der Kämpfe. Die heimische Wirtschaft könne einen langwierigen Konflikt schlicht nicht tragen.

Dennoch bleibt ein echter politischer Umbruch unwahrscheinlich, da unabhängige Medienberichte darauf hindeuten, dass die Kommunistische Partei in diesem Herbst keine starken Kandidaten aufstellen wird.