Startseite Krieg Selbst pro-russische Blogger verspotten Putins Oreshnik-Raketen: „Absurd teurer Schrott“

Selbst pro-russische Blogger verspotten Putins Oreshnik-Raketen: „Absurd teurer Schrott“

Oreshnik missiles
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Kriege leben vom öffentlichen Glauben ebenso sehr wie von Kugeln.

Wenn Führungspersönlichkeiten versuchen, die Moral mit einer massiven Machtdemonstration zu stärken, erwarten sie, dass ihre loyalen Anhänger jubeln.

Doch manchmal durchschauen engagierte Anhänger den Rauch.

Teurer Schrott

Am Wochenende startete das russische Militär seine neue Oreshnik-Rakete auf Kiew. Sie sollte pure Stärke demonstrieren. Stattdessen löste der Angriff eine Welle des Spotts von einer unerwarteten Gruppe aus.

Kriegsbefürwortende Blogger verspotten den Kreml offen. Laut The Moscow Times, zitiert von Onet, betrachten diese nationalistischen Stimmen den aufsehenerregenden Start als leeren PR-Gag.

Wladimir Romanow, ein prominenter russischer Militärblogger, wies die Darstellung vollständig zurück. Er beschrieb den Angriff als „einfach absurd teuren Schrott, der in den Boden getrieben wurde. Für ein markantes Bild, an das niemand, außer Rentnern, mehr glaubt.“

Märchen im Fernsehen

Die Unzufriedenheit ist auf Telegram weit verbreitet. Viele Kommentatoren argumentieren, dass die Waffe keinen echten Kampfwert besitze, da sie sich ausschließlich auf die visuelle Wirkung verlasse.

Ein ehemaliger Mitarbeiter des russischen Verteidigungsministeriums, der unter dem Namen Rybar schreibt, erklärte die Taktik. Er schrieb: „Der Angriff, der ‚kinetische Attrappen‘ anstelle von Sprengköpfen verwendet, hat primär eine psychologische Wirkung, die offensichtlich mit jedem weiteren Angriff schwächer wird.“

Der Kriegskorrespondent Juri Kotjonok behauptete, die Raketenstarts dienten hauptsächlich dazu, „Großmüttern im Fernsehen Märchen zu erzählen“, anstatt Schlachten zu gewinnen.

Realität an der Front

Hinter den Kulissen sehen sich die Truppen mit gravierenden Engpässen konfrontiert. Der Militärblogger Anatoli Radow wies auf einen erheblichen Mangel an wesentlicher Ausrüstung hin.

„Der Kern des Problems bei all diesen kostspieligen Vergeltungsschlägen ist, dass es an der Front einen dramatischen Mangel an Ausrüstung gibt, hauptsächlich an Mavic- und FPV-Drohnen“, schrieb Radow.

Er fügte hinzu, dass Militärführer die wahren Drohnenzahlen verschweigen. Radow schrieb: „Aber Putin wurde gesagt, dass alles großartig sei mit Mavic-Drohnen, und was FPV betrifft, seien wir angeblich sogar besser als die Ukrainer. Das ist einfach eine schreckliche Lüge.“

Vertuschen der Misserfolge

Der Angriff ist für externe Beobachter nachvollziehbar. Das American Institute for the Study of War stellte fest, dass Kommandeure den Start wahrscheinlich anordneten, um „Stärke und Macht sowohl dem nationalen als auch dem ausländischen Publikum zu demonstrieren.“

Unterdessen erklärte das Verteidigungsministerium den Wochenendangriff zu einem vollen Erfolg. Es erklärte, „die Angriffsziele seien erreicht und alle vorgesehenen Ziele getroffen worden.“

Doch die Betroffenen vor Ort bleiben unüberzeugt. Wie der Militärkanal Voyenny Osvedomitiel anmerkte: „Und das Abfeuern einer leeren ‚Oreshnik‘-Rakete auf Kiew einmal alle sechs Monate wird diese Situation leider nicht lösen.“

Quellen: The Moscow Times, Telegram, American Institute for the Study of War, Russisches Verteidigungsministerium