Die plötzliche Entlassung des Top-Ökonomen Andrei Klepatsch signalisiert die wachsende Besorgnis im Kreml über die zunehmende finanzielle Belastung durch einen langwierigen Krieg.
Moskau erlebte diese Woche eine personelle Erschütterung in den obersten Finanzkreisen. Andrei Klepatsch, Chefökonom der staatlichen Entwicklungsbank VEB und ehemaliger stellvertretender Wirtschaftsminister, wurde am Sonntag entlassen.
Die rasche Entscheidung fiel kurz nachdem er eine seltene, offene Einschätzung der Kriegswirtschaft des Staates abgegeben hatte.
Sein abruptes Ausscheiden unterstreicht die wachsende Besorgnis unter Spitzenpolitikern darüber, wie lange die Nation ihre militärischen Ambitionen noch finanzieren kann.
Das russische Exilmedium The Bell berichtete laut Ziare.com, dass seine Entlassung direkt mit diesen kritischen Finanzwarnungen zusammenhängt.
Warnungen vor Zermürbung
Klepatsch äußerte seine schärfste Kritik auf einer Konferenz mit Ökonomen-Kollegen im Mai.
Er stellte offen infrage, ob die derzeitige Finanzpolitik einen langwierigen Kampf überleben könnte.
„In diesem Zermürbungskrieg werden wir den Wettbewerb nicht gewinnen. Wir leben mit der Illusion, dass alles zusammenbrechen wird.
Das ist nicht passiert und das wird nicht passieren. Unsere Kosten steigen“, sagte er. Er argumentierte, dass ein vollständiger finanzieller Zusammenbruch zwar unwahrscheinlich sei, eine schwere soziale Krise jedoch eine reale Bedrohung bleibe.
Hohe Verteidigungsausgaben und Steuererhöhungen verdecken weiterhin tiefere Schwächen, während die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf wichtige Erdölraffinerien für zusätzlichen Druck gesorgt haben, berichtet Ziare.com.
Rückweisung aus Moskau
Vertreter des Kremls weisen jegliche Andeutungen finanzieller Probleme entschieden zurück.
Ein Sprecher der russischen Botschaft in Großbritannien erklärte gegenüber CNBC, dass die wirtschaftliche Lage des Landes „deutlich stark“ bleibe – viel stärker als die vieler westlicher Mächte.
Diplomaten beharrten darauf, dass der Staat dem „präzedenzlosen äußeren Druck“ bemerkenswert gut standhält.
Sie fügten hinzu, dass westliche Sanktioner größtenteils nach hinten losgegangen seien und stattdessen ausländische Märkte mit steigenden Energiepreisen und unterbrochenen Lieferketten getroffen hätten.
Der Ökonom Anders Åslund hob die Gefahr inländischer Unruhen hervor, während andere Russland-Experten eine düstere Paradoxie betonten: Moskaus schärfste wirtschaftliche Köpfe seien genau diejenigen, die über die derzeitige Entwicklung am meisten beunruhigt sind, so Ziare.com.
Die Kosten des Krieges
Das Ausmaß der finanziellen Belastung Russlands lässt sich immer schwerer ignorieren.
Die Financial Times berichtete, dass das Moskauer Haushaltsdefizit auf rund 6,5 Billionen Rubel angewachsen sei, fast doppelt so viel wie ursprünglich geplant, da die Kosten des Krieges die Staatsfinanzen weiterhin schwer belasten.
Russland steht nicht zwangsläufig vor einem unmittelbar bevorstehenden wirtschaftlichen Zusammenbruch.
Aber das wachsende Defizit verstärkt Klepatschs zentrale Warnung: Je länger der Krieg andauert, desto mehr Ressourcen muss Moskau für sein Militär aufwenden, vilket lämnar weniger Raum für die Gesamtwirtschaft.
Der Kreml mag zwar nach wie vor in der Lage sein, die Kriegsmaschinerie am Laufen zu halten, aber die finanziellen Kosten dafür lassen sich immer schwerer verbergen.