Ein Priester in Odesa steht im Mittelpunkt eines schweren Spionagefalls, nachdem ukrainische Behörden ihm vorgeworfen haben, Russland bei Raketenangriffen geholfen zu haben.
Der ukrainische Sicherheitsdienst (SBU) hat einen Priester der Ukrainisch-Orthodoxen Kirche in Odesa festgenommen, berichtet O2.
Die Behörden gehen davon aus, dass der Priester während des Krieges in der Ukraine mit dem russischen Militärgeheimdienst zusammengearbeitet hat.
Er soll die russische GRU unterstützt haben, indem er Informationen über mögliche Ziele in der Hafenstadt vor einem Iskander-M-Raketenangriff im März 2024 weitergab, bei dem Wohngebiete und zivile Infrastruktur getroffen wurden.
Ermittlungen werden ausgeweitet
Die Behörden gehen davon aus, dass der Priester intensiv für die russische GRU gearbeitet hat. Bei einer Durchsuchung seiner Räumlichkeiten fanden Ermittler Berichten zufolge ein Mobiltelefon, das angeblich für die Kommunikation genutzt wurde.
Ihm wird außerdem vorgeworfen, Informationen über ukrainische Luftverteidigungssysteme weitergegeben zu haben, bevor er später untertauchte.
Die Ermittler wurden jedoch erst auf ihn aufmerksam, nachdem sie prorussische Kommentare entdeckt hatten, die er laut O2 auf Telegram veröffentlicht haben soll.
Der Fall ist damit ein weiteres Beispiel für die Bemühungen der Ukraine, Personen zu identifizieren, die verdächtigt werden, für Russland zu arbeiten.
Droht lebenslange Haft
Der Priester wurde vom ukrainischen Gegenspionagedienst ausfindig gemacht. Gleichzeitig stellten die Ermittler fest, dass er mit einer Gemeinde des Moskauer Patriarchats verbunden war.
Der festgenommene Priester wurde nach ukrainischem Recht wegen Hochverrats unter dem Kriegsrecht angeklagt.
Die Strafe ist schwer: Ihm drohen lebenslange Haft sowie die Beschlagnahmung seines Eigentums, berichtet O2.
Einer von vielen Fällen
Der Fall des Priesters in Odesa reiht sich in eine wachsende Zahl schwerwiegender Fälle ein, in denen die Ukraine während des Krieges Personen aufgedeckt hat, die verdächtigt werden, mit Russland zusammenzuarbeiten.
Laut Reuters hat die Ukraine während des Krieges Tausende Verfahren wegen mutmaßlicher Zusammenarbeit mit Russland eingeleitet, darunter gegen Beamte, Soldaten, Polizeibeamte und Mitarbeiter der Sicherheitsdienste.
Viele von ihnen stehen im Verdacht, militärische Informationen weitergegeben, russische Streitkräfte unterstützt oder Besatzungsbehörden in den besetzten Gebieten geholfen zu haben.
Andriy Naumov und Viktor Medvedchuk
Zu den bekanntesten Fällen gehört der ehemalige hochrangige SBU-Offizier Andriy Naumov, den ukrainische Behörden verdächtigen, sensible Informationen über die Sicherheit des Kernkraftwerks Tschernobyl an Russland weitergegeben zu haben.
Er verließ die Ukraine kurz vor der Invasion im Jahr 2022 und wurde später in Serbien mit großen Mengen Bargeld und Wertgegenständen festgenommen.
Eine weitere zentrale Figur ist der prorussische Oligarch und Politiker Viktor Medvedchuk, der über Jahre enge Verbindungen zu Wladimir Putin pflegte.
Laut Reuters wurde er wegen Hochverrats angeklagt, nachdem er angeblich geheime Informationen über ukrainische Militäreinheiten an russische Behörden weitergegeben und versucht haben soll, die ukrainische Politik im Sinne des Kremls zu beeinflussen.
Quellen: O2, SBU, ukrainische Behörden, Reuters